Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 697 (sequence 32)
- Language
- German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 697 der Juden die Wahl nicht schwer fallen1). Die Opposition gegen diese Verwandtschaftsehe scheint sogar in pharisäischen Kreisen existiert zu haben, jedenfalls erklärt sich bei dieser Annahme die folgende Geschichte aus dem Leben R. Eliesers b. Hyrkanos am Einfachsten. R. Elieser’s Mutter heißt es — Jer. Jebamot XIII, 13 c — drängte in ihn gar sehr, seine Nichte — Schwesterntochter — zu ehelichen, worauf R. Elieser dieselbe mehrmals aufforderte, sich zu verehelichen. Erst als sie zu ihm sprach: »Sieh, ich bin deine Sklavin, die Füße der Knechte meines Herrn zu waschen.« — I. Sam. 25, 41 — konnte R. Elieser sich entschließen, sich mit seiner Nichte zu verehelichen, die er freilich erst dann »erkannte«, als sie Zeichen der Pubertät zeigte. Der Talmud scheint R. Eliesers Weigerung auf die Minderjährigkeit seiner Nichte zurückzuführen2), jedoch wäre dann nicht zu begreifen, wie R. Elieser derselben raten konnte, sich zu verehelichen, falls er gegen die Ehen Minderjähriger war. Am einfachsten erklärt sich R. Eliesers Verhalten dadurch, daß er, häufig der Vertreter der alten Halachah, auch in diesem Falle Rücksicht nahm auf die Ansicht, welche eine Ehe zwischen Onkel und Nichte für verboten hielt und daher zuerst dem Drängen seiner Mutter nicht nachgeben wollte und seiner Nichte daher den Rat gab, einen anderen Mann zu suchen. Als er aber sah, daß auch seine Nichte den Wunsch seiner Mutter teilte, hielt er es für ratsam, sein Bedenken gegen eine solche Ehe aufzugeben und heiratete darauf seine Nichte, obwohl sie noch nicht geschlechtsreif war, enthielt sich aber jedes ehelichen Verkehrs, bis sie herangewachsen war3). Höchst *) Solche rabbinische Institutionen, die der Opposition gegen die Sadduzäer das Dasein verdanken, gibt es ziemlich viele. Vgl. z. B. Chagigah II, 4 und Menachot X, 3. 2) Im Talmud wird dies zwar nicht direkt behauptet, aber der Zusammenhang, in dem diese Anekdote im Talmud erwähnt wird, spricht deutlich für die von den Komentatoren gegebene Erklärung. 3) Obwohl die Halachah das Recht des Vaters anerkennt, seine