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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 6 · p. Seite 688

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 6
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1911-01-01
Page
Seite 688 (sequence 23)
Language
German
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688 Eine unbekannte jüdische Sekte. Wandlung der von Plato für seinen Idealstaataufgestetlten vier Tugenden ist, Sophia, Andreia, Sophrosyne und Dikaiosyne. Die Tapferkeit, Dikaiosyne, bei Plato von dem Kriegerstand vertreten, hat nach jüdischer Auffassung keine Berechtigung weshalb nur drei Tugenden anstatt der ursprünglichen vier genannt werden. 4, 17: הראשונה היא הזנות . . . המקדש. Auch in der rabbinischen Literatur wird von den drei Kardinalsünden gesprechen, so z. B. Mechilta, Jihro 1 והיא אוסרת רבש״ע בג׳ (1דברים חטאתי »und sie — Rahab— sprach, drei Sünden beging ich«. Die drei Sünden werden nicht näher bezeichnet* *), aber wir werden wohl nicht fehl gehen, wenn wir behaupten, daß sie für Götzendienst, Unzucht und Mord stehen, Sünden, die man nach jüdischer Lehre unter keinen Umständen begehen darf, sei es auch um den Preis, das eigene Leben zu erhalten — Sanh. 74a u. a. m. O. — und daher als Kardinalsünden bezeichnet werden dürfen. Für diese Auffassung spricht die Boraita, Arachin 15 b, wo die ג, עבירות ausdrücklich als diese erwähnten drei Sünden bezeichnet sind und ähnlich die Tosefta Peah. 1, 2. Lehrreich für diese Frage ist auch die Behauptung des Sifra 16, 16 wo diese drei Sünden als die drei Unreinheiten bezeichnet sind®). Die Vermutung liegt nun nahe, daß נ) Vgl. die Parallelstelle Mech. R. Sim. 85, wo die in den Ausgaben — aber nicht in der OxfOrder Handschrift der Mechilta! — sich findende Glosse בנדה חלה הדלקת ד!נר mit Recht fehlt. *) Die götzendienerische Rahab, die dazu noch bis zur Zeit ihrer Bekehrung eine זונה war, bekannte, daß sie Götzendienst und Unzucht begangen hafcWas Mord anbetrifft, so ist vielleicht darunter Abtreibung zu verstehen, was nach talmudischer Ansicht den Heiden als Mord angerechnet wird. Vgl. Sanhedria 57b und Geiger, Urschrift 437f. *) Vgl. auch Tosefta, Ned. 11, 15 ע*ז ומגלה ע׳ ושופבי דמים; Mechiita Jithro, Ba-Hödesch הם חייבי! על עיז ועלי גיע ועל שפיכת דמים; Gen. R. 70 ושמרני... מעיז, מגלוי עריות משפיכות דמים und Gittin 6, 6 unten: 'ג׳ עבירות ניע שפיכות דמים וחלול ישי, wo aber wohl mit R. Chananel — siehe Tosaphot z. St. — für חלול השם, חלול שבת zu lesen ist und dies ist eine Abart von עבודה זרה.

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