Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 6 · p. Seite 672

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 6
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1911-01-01
Page
Seite 672 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2829132-2829835-2829842-2891127--39141-2891183
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

672 Eine unbekannte jüdische Sekte. den biblischen Zitaten sich erlaubt. Man wird übrigens nicht fehl gehen, wenn man גבהית von נבהה »Höhe« liest und nicht נבהות, obwohl biblisch wie mischnisch גבה dafür gesagt wird. 1, 16: ולסיע גבול. Mit Rücksicht darauf, daß es in der Schrift nie anders als הסיג ג׳ heißt — Deut. 19,14; 27,17; Hos. 5, 10 und Spr. 22, 28 — sowie daß unser Verfasser — 5, 20 —« selbst von den מסיגי חג׳ spricht, wäre man geneigt ולסיע in ולסיג zu emendieren. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß hier absichtlich הסיע für הסיג gebraucht ist, denn dies drückt den Gedanken des Verfassers, der den Gegnern vorwirft, »sie rissen die festgesetzten Lehren nieder« besser aus, als das biblische הסיג ג׳, das die Grenzen, verrücken, bedeutet. Eine interessante Parallele zu unserem Verse ist der Derasch R. Simons1) zu Spr. 22, 28, der die Worte der Schrift »verrücke nicht die uralte Grenze, welche deine Väter festsetzten« dahin erklärt: מנהג שעשו אכותיך אל תשנה אותו »einen Brauch, den deine Väter einführten, verändere nicht«. Diese Midraschstelle ist wohl die Quelle für die Bemerkung des ספר חסידים S. 207, ed. Wistinetzki: . .. לא תסיג גבול . . . ראשונים שלא יאמר ניגון של תורה לנביאים אלא כל ניגון כמו שהוא מתוקן »verrücke nicht die Grenze . . . die die Vorfahren festsetzten, d. h. man gebrauche nicht die für die Rezitation des Pentateuchs festgesetzte Kantilation beim Vortrage der Propheten, sondern für die verschiedenen Teile der Schrift die verschiedenen von Alters her festgesetzte Melodien.« Diese Midraschstelle ist ferner die Quelle für Midrasch Aggada, Deut. 199, was Buber entgangen ist. 1, 19: ויבחרו בטוב הצואר.. Der Ausdruck טוב הצואר ist ‘) Midr. Mischle z. St., ed. Buber 93. Vgl. auch Sifre Deut. 188, wo die Stelle iti Deut. .. לא הסיג auf die richtige Überlieferung der Lehren der ejnzelnen Gelehrten bezogen wird; der Text ist wohl nach Midr, Tanneim z. St. zu emendieren. Vgl. auch das slavische Buch Henoch 52, 9, »gesegnet sei derjenige, welcher die Grundfesten behält, weiche die Väter in uralter Zeit gründeten,« wo gleichfalls ein Derasch zu Spr. 22, 28 vorliegt. Im äthiop. Henoch 91, 2, 14 ist ■dieser Derasch verwischt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.