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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 6 · p. Seite 667

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 6
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1911-01-01
Page
Seite 667 (sequence 2)
Language
German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 667 folgen, so wörden ihre Angaben auch dann nicht für eine wahre Beurteilung der ParteiveThältnisse ausreichen, wenn sie bestimmter und reichhaltiger wären als sie es sind. *Audiatur et altera pars« ist die erste Bedingung für das richtige Urteil des Richters wie des Historikers, und so lange man diese Bedingung nicht erfüllen kann, maß man mit seinem Urteil zurückhalten. Sind unsere Kenntnisse der drei großen Sekten, der Pharisäer, Sadduzäer und Essäer als mangelhaft zu bezeichnen, so sind uns die vielen Unter- und Nebenströmungen derselben nicht einmal dem Namen nach bekannt. Die Anhänger dieser Richtungen erscheinen in der talmudischen Literatur unter den kollektiven Bezeichnungen מינים öder דוצונים, so daß uns jede Möglichkeit genommen ist, die Individualität dieser verschiedenen Richtungen kennen zu lernen1). Nichts wäre geeigneter unsere Unkenntnis des Sektenwesens zu veranschaulichen, als wenn wenigstens einige zusammenhängende Blätter aus der Hand eines alten Sektierers zu uns gelangten. Diese Überraschung ist uns nun in der Tat zuteil geworden. Die Genisah zu Kairo, diese große Fundgrube literarischer Schätze, hat uns eine Schrift8) aufbewahrt, in der wir zum ersten Male die Stimme eines Sektierers vernehmen, und die von nun an zuerst gehört werden muß, bevor man über das jüdische Sektiererwesen sprechen will. Professor Schechter, der glückliche Entdecker dieses Schatzes, nennt diese Schrift: »a Zadokite Work« und gibt in der Einleitung zu derselben seine Gründe für diese Be- נ) Daß ין» manchmal Juden»Christ ist, steht fest, aber ebenso sicher ist es, daß häufig dasselbe Wort ganz etwas anderes bedeutet. J) Der volle Titel ist: Documents öf Jewish Sectaries vol. I. Fragments of a Zadokite work, ediled from Hebrew manuscripts in the Cairo Genizah Collection ... and provided with an English Translation, Introduction and Notes by S. Schechter Cambrigde University Press 1910.

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