Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die neuen Papyrusfunde in Elephantine
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 664 (sequence 24)
- Language
- German
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664 Die neuen Papyrusfunde in Elephantine. diesen ägyptischen Juden noch nicht zur Geltung gekommen sein könne. Kein geringerer als Nöldeke hat sich nach fast vierzigjähriger Weigerung, auf Grund dieser Urkünde veranlaßt gesehen, Wellhaüsens Priesterkodex- Theorie höflichst zu akzeptieren, während die Konservativen zu den verzweifeltesten Ausflüchten gegriffen haben. Wie würde doch unser Freund Hananjah, der in seiner Passah-Ankündigung das 2. und 5. B. M. wörtlich zitiert, während er wenige Zeilen vorher die Adressaten im Namen der Götter grüßt, sich höchlichst amüsieren über diese Freudensausbrüche und Schreckensszenen im Kreise unserer protestantischen Bibelforscher anläßlich der Worte und Wendungen, die in seinen Tagen so landläufig und selbstverständlich waren. Freilich die Lösung des religionspsychologischen Rätsels von der Harmonie der denkbar schroffsten Gegensätze im Geiste der biblischen Israeliten haben wir von diesen Urkunden nicht zu erwarten. Wir können diese rätselhafte Erscheinung in allen Perioden der Religionsgeschichte, wie auch im religiösen Leben der Gegenwart wahrnehmen. Wie es psychologisch begreiflich ist, daß man moralische Forderungen aus Gründen moralischer Schwäche unbeachtet läßt, ebenso denkbar ist es, daß man aus abergläubischen Motiven, oder sonstigen subjektiven Meinungen, religiösen Glaubenssätzen gleichgültig gegenübersteht. Wenn der Talmud und die religiöse Literatur des Mittelalters der von allen Propheten dem Götzendienste gleichgestellten Astrologie huldigten, weil sie den herrschenden Anschau־ ungen ihrer Zeit nicht widerstehen konnten, warum soll David nicht aus ebensolchen Motiven die segenspendenden Teraphim in seinem Hause geduldet haben, warum sollen nicht unsere Kolonisten, unbeschadet ihres Glaubens an die unfaßbare, überweltliche Erhabenheit des אלהה שטיא, auch den Untergöttern manchen Einfluß auf bestimmte Naturkräfte zugetraut haben? Sicherlich haben sie diesen