Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die neuen Papyrusfunde in Elephantine
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 661 (sequence 21)
- Language
- German
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Die neuen Papyrusfunde in Elephantine. 661 Tempels »Trauerkleider tragen, fasten und beten, keinen Wein trinken, sich nicht mit Öl salben, und daß ihre Frauen den Witwen ähnlich seien« (Pap. 1, Z. 15, 19), wie ihr flehentliches Bitten um die Genehmigung zum Wiederaufbau dieses Tempels (ibid. Z. 22—30), wird niemand als eine Heuchelei bezeichnen. Aber gerade diese wohltuende, warme Religiosität, diese Anhänglichkeit und Liebe zum Tempel ihres Gottes Jaho (יהו) ist es, die uns diese Papyrusfunde zu der für die israelitische Religionsgeschichte bedeutsamsten Entdekkung, die je gemacht worden ist, stempelt. Denn das schwierigste Problem der ganzen biblischen Geschichte findet durch sie eine ungeahnte Lösung. Der auffällige Widerspruch zwischen Gesetz und Propheten, dem gegenüber die traditionstreue Bibelforschung seit Jahrtausenden in der größten Verlegenheit ist, findet durch diese Urkunden der biblischen Zeit seine ganz natürliche Erklärung. Die radikal-kritische, Bibelförschung dagegen, die auf Grund jenes Widerspruches die ganze biblische Religionsgeschichte auf den Kopf stellt, die aus dem ungeschwächten Fortbestehen des Götzendienstes während der ganzen biblischen Periode auf das Nichtvorhandensein des biblischen Gesetzes schließen zu müssen glaubt, verliert durch diese Inschriftenfunde ihren letzten Halt. Den Vorfahren dieser oberägyptischen Juden wirft Jeremias (44) ihren Götzendienst vor, den sie, trotz inniger Verehrung des Gottes ihrer Väter (42), dem greisen Propheten gegenüber offen verteidigen, und von welchem sie keinesfalls abzulassen gedenken (44, 15—19). Es wäre danach verwunderlich, wenn diese oberägyptischen Juden jetzt, kaum 2—3 Generationen nach Jeremias, uns schon als reine Monotheisten entgegentreten würden. Tatsächlich ist dies nicht der Fall. Wie Hananjah, der Schreiberjfdes Passahediktes, seine Grußformel mit|den Worten;)שלום 1אחי אלהיא »nach dem Heile meiner Brüder mögen die Götter...&