Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die neuen Papyrusfunde in Elephantine
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 646 (sequence 6)
- Language
- German
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Ö46 Die neuen Papyrusfunde in Eiephaniine. men, solange diese Urkunde in deiner Hand ist. Geschrieben hat dies der Schreiber Nathan bar Anani, nach dem Diktat von Jehochan. Zeugen der Abschrift Hosea usw. Äußere Aufschrift: Das ist die Geldurkunde, welche Jehochan usw. dem Meschullam bar Sakkur ausgestellt hat. Diese aus dem Jahre 456 v. Chr. stammende Schuldurkunde beleuchtet wie ein heller Scheinwerfer die wichtigsten Kulturmomente jener jüdischen Kolonien. Sie ist erstens juridisch außerordentlich interessant, da sie an Exaktheit und advokatorischer Finesse von einer modernen Urkunde kaum übertroffen wird und daher für die Rechtsgeschickte besonders wertvoll ist. Sie zeigt uns ferner die Höhe des dortigen Zinsfußes »2 Chalur — eine babylonische Münzenbezeichnung — pro Schekel für ein Monat«, d. i. nach der wahrscheinlichsten Berechnung 24°/0 jährlich. Sie beweist ferner, daß Kinder ohne besondere kontraktliche Abmachung für die Schulden ihrer Eltern nicht herangezogen werden konnten. Der Kreditor dieser Urkunde סשלם בר זכור begegnet uns 10 Jahre früher in den assuanischen Inschriften als Bürger jener Stadt. Ebenso finden wir den Schreiber נתן בר ענני in den Jahren 440, 446, 459 wieder. Auch dem Vater des Zeugen אחיו בר פלטיה begegnen wir in Assuan. Im allgemeinen lassen diese Dokumente auch bei dieser Inselgemeinde großen Wohlstand erkennen, was wir schon aus der Beschreibung ihres so sehr luxuriös ausgestatteten Tempels deutlich ersehen konnten. Wie die assuanischen Juden, so treiben auch sie verschiedene Handelsgeschäfte, sie kaufen und verkaufen Häuser und Grundstücke. Depositen, Tausch- und Rechtsgeschäfte sind an der Tages- Ordnung. Die Kenntnis des Schreibens und Lesens bei jenen Juden geht aus dieser neuen Publikation viel deutlicher als aus den assuanischen Urkunden hervor, da hier auch sämtliche »öffentlichen Schreiber« Juden sind; ebenso sind die Zeugenunterschriften meist eigenhändig.