Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 582 (sequence 28)
- Language
- German
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582 Die Wortführer des Judentums in den ältesten die sonstige jüdische Lebensweise behielten sie wie jene bei, doch feierten sie auch den Sonntag wie die allgemeine Kirche zur Erinnerung an die Auferstehung Jesu. Das war die Ursache; warum sie den Beinamen Ebionäer erhielten, der die Dürftigkeit ihrer Erkenntnis anzeigt. So nämlich heißt der Dürftige auf Hebräisch«1). Das ist nun dasselbe Christentum, an welchem der aus dem Heidentum kommende Justin,1 der Christ im Philosophenmantel, »Schwachheit der Erkenntnis« bemängelt8), da es neben dem Glauben an den Messias noch an gewissen, »wegen der Sinnlichkeit des Volkes« eingeführten mosaischen Satzungen hänge. Und diesem selben jüdischen Christentum redet Tryphon das Wort, durchschimmern lassend, daß eine Verständigung mit demselben nicht ausgeschlossen sei. Daß aber eine solche in der Folge völlig unmöglich geworden, das, hat die Großkirche verschuldet, die, zur Herrschaft gelangt, die Wege der antinomistischen Gnosis wandelte, deren Christus, den Gott Logos, zu dem ihrigen machte, das Gesetz verwarf und unbedingte Unterwerfung unter ihre Dogmen verlangte, jede andere Anschauung verketzernd. * Wje man sieht, bewegt sich der ganze Streit in unserem Dialog fast ausschließlich um das Christusproblem, wobei auch über das Gesetz und über die Frage der weiteren Giltigkeit desselben verhandelt wird. Von dem Wesen des Evangeliums selbst aber, von dessen innerem Werte ist kaum die Rede. Nur einmal, und zwar zu Beginn seiner Unterhaltung mit Justin, kommt Tryphon selber daraufzu sprechen. Allein so vorübergehend und flüchtig dies geschieht, seine Äußerung ist bedeutsam genug, um eine nähere Beleuchtung zu verdienen. , »Ich habe«, sagt er zu Justin, »es mir angelegen sein _ l) Euseb. Hist. Eccl. III, 27. *) Dial. c. 47; ׳rö «s-ftevs!; ׳rfje