Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 580 (sequence 26)
- Language
- German
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580 Die Wortführer des Judentums in den älteren Zeit, und umgekehrt scharf beleuchtenden Antwort heraus: »Nach meinem Bedünken wird ein solcher selig, wofern er nicht andere, will sagen, diejenigen, die durch Christus von dem Irrtum beschnitten wurden, verhalten will, diese Gesetze zu beobachten, vorgebend, man könne sonst nicht selig werden.« — Darauf Tryphon: »Warum sagst du: nach meinem Bedünken wird ein solcher selig? Gibt es denn Leute, die behaupten, er könne nicht selig werden?« »Allerdings«, erwiderte Justin, »gibt es solche, und diese meiden sogar ihren Umgang und würden sie nicht beherbergen. Diesen aber kann ich nicht zustimmen. — Wenn nun diese, von denen vorhin die Rede war, wegen der Schwachheit ihrer Erkenntnis auch neben der Hoffnung, die sie in Christus haben, und der Erfüllung der ewigen Pflichten der Gerechtigkeit und Frömmigkeit auch die von Moses wegen des Volkes Sinnlichkeit eingeführten Satzungen, soweit sie noch beobachtet werden können, wie Sabbath und andere Bräuche, halten wollen und den Umgang mit den gläubigen Christen pflegen, ohne sie überreden zu wollen, daß sie sich beschneiden müssen; so halte ich dafür, daß sie in die Gemeinschaft aufgenommen und als Glieder und Brüder angesehen werden sollen. Gibt es aber aus eurem Volke, die an Christus glauben, die aber die Christgläubigen aus dem Heidentum durchaus bestimmen wollen, ihr Leben nach den Vorschriften Mosis einzurichten und sie im Weigerungsfälle aus ihrer Gemein- Schaft ausschließen, so kann ich ihnen nicht beistimmen«1). Sosehr Tryphon sich gegen die Christologie Justins wehrt, so scharf er sie verurteilt, er bekundet auf der anderen Seite ein lebhaftes Interesse für das nazäräische Christentum, das noch bis tief ins zweite Jahrhundert viel Werbekraft, allerdings zumeist auf jüdische Kreise, ausübt Denn dieses Christentum ist es, Über welches hier zwischen Tryphon und Justin verhandelt wird. Diesem erkennt der ») Dial. c. 47.