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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 5 · p. Seite 578

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 5
Article
Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
Date
1911-01-01
Page
Seite 578 (sequence 24)
Language
German
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578 Die Wortführer des Judentums in den ältesten Gotteslästerung dünkte. Wären Tryphon und seine Genossen pharisäische Juden gewesen und nicht griechische, die gern jeden Anlaß ergriffen, der zu spielend dahinfließenden Reden und Gegenreden Gelegenheit bot«1), sie hätten sich nimmer in einen Streit über den »Sohn Gottes» eingelassen. »Kein Jude« — sagt Origenes, der hier nur das pharisäische Judentum im Auge hat — »kein Jude gibt zu, daß einer der Propheten geweissagt habe, der Sohn Gottes werde kommen; nur das gestehen sie, daß die Propheten die Ankunft des Messias Gottes verkündet haben. Und daher fragen sie gleich, wenn sie sich mit uns einlassen, was das für ein Sohn Gottes sei, als ob die Propheten niemals eines solchen erwähnt hätten«8). Daß das jüdische Volk einen »im höchsten Glanze erscheinenden Menschensohn« erwarte, der ein ewiges Reich bekommen werde, gibt Tryphon bereitwilligst zu; daß dieser aber ein Gottessohn, wie Justin und seine Kirche ihn darstellen, sein werde, daß weist er mit aller Entschiedenheit zurück. »Ihr solltet euch schämen«, [sagt er entrüstet, »fabelhafte Dinge wie die Griechen zu lehren‘ und lieber sagen, euer Jesus sei als Mensch von Menschen gezeugt worden, wenn ihr uns aber aus der Schrift beweisen wollt, daß er in Wahrheit Christus sei, so solltet ihr lieber sagen: er sei durch einen J) Das zeigt auch in vollem Maße der Ein- und Ausgang des Dialogs. An seinem Schlüsse äußert sich Tryphon über das Ge- Samtergebnis der Unterhaltung, wie folgt: »Du siehst nun, daß wir uns keine besondere Mühe gegeben haben, dich zu widerlegen. Ich bekenne, daß ich viel Vergnügen an diesem Gespräch hatte, und ich glaube, daß auch diese (seine Genossen) mit mir übereinstimmen. Denn wir haben mehr gefunden als wir erwarteten und als zu erwarten möglich war. Wenn wir öfter derartige Gelegenheit hätten, würden wir mehr Nutzen aus der Erforschung des Wortes ziehen. Da du aber im Begriffe stehst, dich zu verabehieden, so unterlasse es nicht, dich künftig zu erinnern, daß du hier F reunde zurückgelassen.« ») Orig. c. Gels. I, 49.

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