Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 577 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829835-2829841-2890982--39039-2891061- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kontroversen zwischen Juden und Christen. 577 sirinte, der Ghristusbewegung ferngebliebene Judentum in der unerschütterlichen Überzeugung lebten, der Messias werde erst dann kommen, wenn, wie der Prophet Maleachi es verkündet, vorher der Prophet Eiiah erscheinen werde, um seine Ankunft vorzubereiten, sie wußten schon vor der Eröffnung der Unterhaltung mit Justin, daß sie sich — wie dies ja auch der Ausgang der Diskussion klar beweist — niemals zu seinen Lehren bekehren werden. Die prophetische Überlieferung, nach welcher Eiiah vor Anbruch des »großen und furchtbaren Tages« kommen werde, um dem Messias den Weg zu bereiten, war im Zeitalter Jesu so landläufig, daß selbst Jesus nach den Evangelien gelegentlich einer diesbezüglichen Interpellation seiner Jünger auf dieselbe Rücksicht nehmen mußte und sich zu der Erklärung gedrängt sah: Eiiah sei bereits erschienen, ohne erkannt worden zu sein, und zwar in der Person des Täufers Johannes. Darum erklärt denn auch Tryphon wiederholt, er könne nimmer glauben, daß der Messias bereits erschienen sei, da Eiiah noch nicht gekommen. »Wenn aber,« sagt er, »Christus geboren ist und irgendwo sich befindet, so ist er ungekannt, ja er kennt sich nicht einmal selber und hat keine Macht, bis Eiiah kommen und ihn öffentlich bekannt machen wird. Ihr aber, di e ihr einem leeren Gerüchte folgt, bildet euch selbst einen Christus»1). Und ein andermal: »Weil aber Eiiah noch nicht gekommen ist, so glaube ich auch nicht, daß Jesus der Christ ist«*). Die Kontroverse zwischen Justin und Tryphon mußte unfruchtbar verlaufen, da die streitenden Parteien sich nie und nimmer verstehen und verständigen konnten. Auf der einen Seite ein von schwärmerischer Begeisterung für den fleischgewordenen Gott Logos erfüllter heidnischer Christ, auf der andern ein nüchterner und starrer Monotheist, den die Vorstellung von einem Gottmenschen eine frevle *) Dial. c. 8■ ־) Dial. c. 49. Monatsschrift. 55. Jahrgang. 37