Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 5 · p. Seite 575

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 5
Article
Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
Date
1911-01-01
Page
Seite 575 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829835-2829841-2890982--39037-2891059
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Köntröverseti zwischert Juden [und Christen575 ־ in der jüdischen Sibylle1), bei Philo•* *), und nicht minder auf rabbinischem Boden eingebürgert, auf welch letztem ein David sproß als Messias erwartet wurde. Nur in der apokalyptischen Literatur Wächst er bereits zu einer präexistenten, göttlichen Potenz hinan. Desgleichen bei den jüdisch-antinomistischen Gnostikern, die in ihm den Befreier vom Gesetz und Offenbarer des höchsten, bislang noch unerforschten Gottes sahen. — Ganz anders die Messiasvorstellungen der untersten Volksschichten, der »Mühseligen und Beladenen«, der messianistischen Nazaräer. Ihr Ideal war der leidende Messias, der »Knecht Gottes«, wie ihn der Prophet in einer epochalen Vision geschaut. Dieser Messias war der Gegenstand ihrer sehnsüchtigen Erwartung. Auch die Wortführer des Judentums in unserem Dialog erwarten einen glorreichen Davidsproß; von einem gekreuzigten, mit dem »Fluch des Gesetzes beladenen« Messias aber wellen sie nichts wissen. Darum erwidert auch Tryphon, wo Justin die auf den Messias bezüglichen Stellen bei Daniel ins Treffen führt: »Diese und ähnliche Weissagungen zwingen uns, einen im hellen Glanze erscheinenden, erhabenen Menschensohn zu erwarten, der von dem Alten der Tage ein ewiges Reich empfangen wird. Euer sogenannter Christus aber war verachtet und ungeehrt, so daß er ein durch das Gesetz Gottes gänzliche Verwerfung Herbeiführendes Urteil, den Kreuzestod, erleiden mußte«.3) Und selbst wo Tryphon zugibt, daß der Messias nach dem Ausspruche des Propheten leiden werde, will er nimmer glauben, daß er den schimpflichen Kreuzestod werde sterben müssen. Eine solche Auslegung empörte ihn in tiefster Seele. »Dü weißt wohl«, sagt er zu Justin, »•daß unser ganzes Volk einen Christ erwartet. Daß nun alle Schriften,. l) Orac. sib. III, 46-50; 652-656. *) De execr. II, 435, ־) Dial. c. 32. — Ebenso Altercatio Sim. et Theoph. VI, 22.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.