Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 570 (sequence 16)
- Language
- German
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570 Die Wortführer 4es Judentums in den ältesten Man wende mir nicht ein, daß der Jude bloß von den Heiden oder heidnischen Christen ein Minimum von Gesetzesbeobachtung forderte, daß er aber selber, als geborner Jude, das ganze Gesetz für verbindlich hielt Dem widerspricht Tryphon selbst. Dem Gegner, der ihn über•׳ zeugen will, daß nach dem Erscheinen des Christ es nicht mehr angehe, die Gesetze Mosis zu halten, räumt er ein, daß nach der Zerstörung des Tempels manche gesetzliche Vorschriften gegenstandslos und hinfällig geworden; und auf dessen weitere Frage, welche Gebote nach wie vor gehalten werden müssen, erwidert er: »jene des Sabbath, der Beschneidung, der Neumonde und der Reinigungs bäder, wie sie Moses vorgeschrieben“1). Das ist das Um und Auf seines Judentums, Und dieses betont er immer und überall. Und in diesem Tryphon wollte man den heißblütigen Gesetzeslehrer Rabbi Tarphon erkennen2), der, wie der Talmud berichtet, alle minäischen Schriften verbrannt wissen wollte, und bei einer drohenden Gefahr eher in einem heidnischen Tempel als in den Häusern dieser Ketzer Zuflucht zu suchen anrät! Neben der Diskussion über das Zeremonialgesetz bewegt sich alles im Dialog um die Frage nach dem Christ. Hier verteidigt der sonst blasierte griechische Jude, der eingestandenermaßen in einer Kontroverse über Religion nichts weiter als geistige Anregung und Zerstreuung sucht, mit einer Energie, die man ihm nicht zugemutet hätte, seinen Monotheismus, den er durch die Erhebung des Christ in die Sphäre der Gottheit getrübt, ja sogar zerstört sieht. Er fordert Justin auf, seine Beweise für die Behauptung, daß die Propheten noch einen andern Gott neben dem J) Dial. c. 4P: TB <7aß(JaT1£s1v Kal ׳rö 'jcsptTsp.vso’dai aal tB to. £|i.[1y)va ^puXaercssv aal tB ßaxT^scr&ai »|1!&p,sv6v tlvo; 8>v «1cviY0psvSTat Otto Mtouoso)? ü Iv auvouffta ysv<%£VOV• a) Zuletzt noch Schürer, Gesch. des jüd. Volkes II*, 378,