Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 566 (sequence 12)
- Language
- German
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566 Die Wortführer des Judentums in den ältesten ihm schon Aristo von Pella besitzen bereits einen jüdischhelienistischeil, zum Zweck der Judenbekehrung angelegten Katechismus., in welchem sämtliche auf den Messias sich beziehenden oder gewaltsam auf ihn gedeuteten älttestamentlichen Stellen gesammelt sind, um allen Einwendungen der Juden gegen einen Gpttmenschen, gegen einen gekreuzigten Christ und gegen die gesetzesfreie Lebensweise der Christen begegnen zu können. Daher auch die erstaurilich scheinende Belesenheit in der Schrift und die Schlagfertigkeit, mit der sie die geeigneten Bibelzitate zur Hand haben. Daß nun Tryphon und seine Freunde, die mit Justin über den Christ und über die Schrift disputierten, griechische Diasporajuden waren, deren Judentum freilich!schon arg verweltlicht und für die Sichel reif geworden war, das lehrt schon ein flüchtiger Einblick in den Dialog Justins. Eine jüdische Gesellschaft gerät von ungefähr auf den im Philosophenmantel einherschreitenden christgläubig ge- ־wordenen Justin. Der Sprecher dieser Gesellschaft, Tryphon!mit Namen, spricht ihn folgendermaßen an: »In Argas ertiielt ich von dem Stoiker Korinth die Lehre, man dürfe niemand übersehen oder geringachten, der ein solches Kleid trage, sondern müsse ihm freundlich nahen und seinen Umgang suchen. Denn es sei möglich, daß man dadurch sich oder ihm nützen könne, was beiden Teile zum Vorteil gereiche. Wenn ich nun jemand in einer solchen Kleidung sehe, so suche ich mich ihm zu nähern. Das ist denn auch der Grund, warum ich dich angesprochen habe. Diese aber — auf seine Genossen zeigend — folgen mir in der Er- Wartung, etwas Nützliches von dir za hören. Ich heiße Tryphon, bin ein Hebräer aus der Beschneidung, und weil ich den gegenwärtigen Krieg floh, halte ich mich größtenteils in Hellas und Korinth auf.« — Auf die Frage Justins, ob er denn aus der Philosophie soviel Nutzen zu ziehen