Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 564 (sequence 10)
- Language
- German
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564 Die Wortführer des Judentums in den ältesten weise eines Aristobul, Philo und ähnlicher Anderer meint und fügt unmittelbar darauf hinzu: »Von solcher Art habe ich auch die Streitschrift eines gewissen Papiscus und eines Jason gefunden, nicht sowohl des Lachens als vielmehr des Mitleids und des Unwillens wert.« Zweifellos, der Dialog ist dem freilich schon ganz verdorrten Boden des jüdischen Hellenismus entstammt, was überdies auch die griechischen Namen des Verfassers und der beiden Streitenden äußerlich bezeugen. Besitzen wir nun gar in der zu Beginn des fünften Jahrhunderts von Euagrius herausgegebenen Altercatio Simonis judaei et Theophiii christiani, wie Harnack überzeugend nachgewiesen, eine Überarbeitung der Altercatio Jasonis et Papisci; dann sind wir nicht bloß in der Lage uns unabhängig von Celsus und Origenes ein Urteil über dieses letztere Opus zu bilden, das aus so früher Zeit stammt, daß Clemens Alexandrinus es dem Evangelisten Lukas zuschreiben durfte; es fällt uns auch an dem Juden Simon, vormals Papiscus, die hellenistische Geberde auf. Daß Euagrius sich die Arbeit zum mindesten soweit sie den Juden betrifft — sehr leicht gemacht hat, zeigt schon ein flüchtiger Blick in seine Altercatio. Er läßt den Juden nur sehr wenig und zumeist nur das sprechen, was dem christlichen Gegner nißhtnur keine Schwierigkeiten bereitet, sondern ihn geradezu in seiner Widerlegung fördern muß. Von dem »Eifer und der Geschicklichkeit«, die Origenes an dem Juden Papiscus rühmt, ist bei Simon nicht die geringste Spur mehr zu entdecken. Sein Judentum ist ebenso farblos wie seine Gegenwehr kraftlos, und es gewinnt den Anschein, als ginge er von Anbeginn darauf aus, dem Gegner zu einem billigen Triumph zu verhelfen. Gleichwohl geht aus dem Dialog soviel zur Gewißheit hervor, daß die beiden Streitenden, der Jude und der Christ, auf dem Boden der jüdisch-hellenistischen Schriftauslegung stehen, welche beiden geläufig ist, und die auch später Justin