Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 559 (sequence 5)
- Language
- German
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Kontroversen zwischen Juden und Christen. 559 Jahrhunderts. Sie hatten also beide noch keine »väterlichen Überlieferungen« betreffs Jesu und seines Opfertodes. Und ihre christlichen Gegner widersprechen dem nicht. Das einzige, was sie auf diese Zweifel der zu bekehrenden Juden zu erwidern vermögen, ist ihre Berufung auf das alttestamentliche Schrifttum, wo vorhergesagt sei, daß der Messias leiden und den Kreuzestod sterben werde. Das pharisäische, oder vielmehr rabbinische Judentum hat sich unter den Herodäern allmäiig aus dem Weltverkehr ausgeschaltet und die Mission, »das Licht der Heiden zu werden«, der griechischen Diaspora überlassen, welche eine erstaunliche Werbekraft in der heidnischen Welt entwickelte. — Diese äußerst rührige und missionsfreudige Diaspora war im Zeitalter Jesu, bis ins Herz Judäas, wo sie ihre eigenen Synagogen hatten1), vorgedrungen. Hier gab sie den mächtigen Impuls zur Bildung des Christentums. Doch nicht die gesamte »Diaspora der Hellenen« mündete ins Christentum ein. Die breiten, nationalgesinnten Schichten derselben, und selbst philosophisch gebildete Juden phiionischer Richtung, die noch aus Pietät für die gottgeliebten Vorväter das Zermonialgesetz nach Möglichkeit beobachtet wissen wollten; sie konnten sich mit der Botschaft von dem »Ende des Gesetzes« eben so wenig als mit einem gekreuzigten Christ vertraut machen. Diese nun wurden die heftigsten Gegner des Christentums. Auf dem weiten hellenistischen, nicht auf dem engen pharisäischen Boden war der Kampf um den Christ und um die Befreiung vom Gesetz entbrannt, an allen Enden und Ecken lodernd. Da standen jüdische Hellenisten gegen christgläubig gewordene; Volkes bejubeln?« — Wie man sieht, wird hier durch die Auf• fassung Harnacks der Sinn der Worte Simons in den wesentlichsten und bezeichnendsten Punkten verwischt, ja geradezu in sein Qegenteil gekehrt; sicherlich unbewußt. י) Vgl. Apostelgesch. 6, 9.