Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 558 (sequence 4)
- Language
- German
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558 Die Wortführer des Judentums in den ältesten unser Geschlecht verderben wollte, von unseren Vätern, wie er es verdiente, ans Kreuz geheftet wurde; und so feiern wir denn auch, der Überlieferung gemäß, zur Erinnerung an dieses freudige Ereignis alljährlich ein Freudenfest Von Absalon lesen wir, daß er zur Strafe für sein gegen den Vater geplantes hochverräterisches Verbrechen an einem Baum hängen geblieben. Hat nun Christus den schimpflichen Kreuzestod erlitten, warum ist uns hierüber von unseren Vätern nichts überliefert worden? warum findet sich in unseren Schriften keine Erwähnung seines Martyriums, daß wir uns darüber, war er in Wirklichkeit ein Feind unseres Volkes, freuen könnten1)?« So sprach der Jude Papiscus zu Beginn des zweiten, und so sprach der Jude Simon zu Beginn des fünften *) Altercat. Sim. et Theopb. ed. Harnack 1883, p. 28 VI, 22: Aestuo vehementi cogitatione, potuisse Christum tarn maledfctam et ludibriosam sustinere passionem, si tarnen vera sunt, quae dieltis, a patribus nostris crucis patibulo eum esse suffixum. Scimus plane, Aman malididum a patribus nostris pro• merito suo esse cracifixum, qui genus nostrüm petierat in perditionem, in cuius mortem peracto revoluto anno gratulamur et solemnia votorum festa celebranms, quae a patribus tradita accepimus, et Absalon, qui ad caedem patris pätricida fuit, pependisse illum in arbore legimus. Christus antem, si patibulum mortis Ihuius sustinuit et in cruce pependit, cur non hoc ipsum a patribus nostris accepimus nec passum in scripfuris nostris invenimus, ut, utsi inimicus genti nostrae esset, gauderemus? — Vollkommen unverständlich istuns, wie Harnack (das. p. 53 f.) dazu gelangt, diesen Gedankengang Simons in folgender, den klaren Sachverhalt trübenden Weise widerzugeben: »Der Jude« — so kommentiert er — »geht jetzt zu dem stärksten Eiawurf über: das schimpfliche Leiden Christi« Wenn Christus wirklich, wie behauptet wird, an das Kreuz geschlagen worden ist, so hat er die Strafe erlitten, welche der Verräter Ham an und der Abtrünnige Absalon mit Recht erhalten haben. Ferner, wenn es wahr ist, daß der ans Kreuz Gehenkte der Messias gewesen, warum ist in den heiligen Schriften dieser Tod nicht vorausverkündigt, während wir jetzt den Tod dieses Gekreuzigten als des Feindes unseres