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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 5 · p. Seite 557

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 5
Article
Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
Date
1911-01-01
Page
Seite 557 (sequence 3)
Language
German
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Kontroversen zwischen Juden und Christen. 557 Judentums standen, ja sogar mit häretischen Juden, einzulassen. Noch um die Mitte des zweiten christlichen Jahrhunderts sagt der Jude Ttypton zu Justin Martyr, der ihm aus der Schrift die Göttlichkeit und Präexistenz des Christ beweisen will: »O Mensch, unsere Gesetzeslehrer haben recht, Wenn sie uns vor dem Umgang mit jedem von euch warnen und uns verbieten, solche Lehren, wie du sie vorbringst, anzuhören; denn du sprichst viel Lästerungen aus«1).. Über Jesus gab es überhaupt keine ursprügnlich jüdische oder rabhinische Überlieferung. Was man sich in jüdischen Kreisen von ihm erzählte, das wußte man lediglieh vom Hörensagen und aus den evangelischen Dar- Stellungen. Daher das gänzliche Pehlen eigener einschlägiger Nachrichten im Talmud. Daher kommt es auch, däß weder der Jude bei Justin Martyr noch jener bei Celsus von־ JOsu und seinem Wirken anderes wissen, als was sie aus den Evangelien oder gerüchtweise erfahren haben, und daß sie• in ihren Widerlegungen sich ausschließlich nur auf diese und auf das Alte Testament berufen müssen. Wir wissen es ganz bestimmt und haben dafür nicht nur in direkte• sondern auch direkte Beweise, daß zu Beginn, des. zweiten und sogar des fünften Jahrhunderts noch keine unverfälscht j üdische Überlieferungen;über Jesus und seinen: Kreuzestod vorhanden waren. In der aus dem Anfang des, fünften Jahrhunderts stammenden Altercatio Simonis et Theophili, welche nach Harnaks scharfsinniger Untersuchung nichts anderes, als eine nur wenig, modifizierte Kopie der in den Zeiten Hadrians verfaßten Altercatio: Jasoms et: PäpisOi ist, zeigt sieh der Jude Simon׳ entsetzt über den Gedanken, daß Christus so schmachvolle Leiden habe ertragen müssen, und fügt zweifelnd hinzu: »Wofern e s wa>hr wä re, was. ihr berichte t, daß. er vom unseren: Vätern ans Kreuz geschlagen wurde«. Hierauf fährt er folgendermaßen fort: »VOn Häman wissen Wir, däß er^dfer ג) Dial. c. Tryph. c. 38. Vgl. auch c. 112.

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