Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Wortführer des Judentums in den ältesten Kontroversen zwischen Juden und Christen
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 556 (sequence 2)
- Language
- German
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556 Die Wortführer des Judentums in den ältesten Totenbahre, um die Zeloten zu täuschen, außerhalb der Stadtmauer zu Vespasian habe bringen lassen. Diesem habe er prophezeit, daß er die Kaiserkrone tragen werde und von ihm die einzige Gunst sich erbeten: ihm Jabneh und seine Weisen als Zuflucht ,für d,ie Pflege der Thora .zu überlassen. Dieser Vater 'des künftigen 'Räbbihismus verkörpert so recht den unverfälschten, von tiefster Gesetzesfrömmigkeit erfüllten Pharisäismus im Zeitalter Jesu, in dessen vor der Außenwelt sich abschließende Lehrhallen ebensowenig der Lärm des Krieges wie der des Streites um den Messias ־eindrang. So hat denn auch die talmudische Literatur keine Kenntnis von den religiösen Stürmen, die über den «Boden der ׳griechischen Diaspora und später über jenen des Christentums dahinbrausten. Wäre aber die eilgemein herrschend gewordene Anschauung der ׳Kirche: daß das Christentum schon bei seiner Geburt von dem Judentum tödfclich verfolgt wurde, die richtige; das gesamte!talmu־• dische Schrifttum hätte von dieser als so unversöhnlich geschilderten Feindschaft infiziert sein müssen, und :die überall im Talmund Christenhaß witternde Zensur hätte nicht enst nach ungemein ־spärlichen und höchst fragwürdigen, ,fälschlich auf Jesus und das Christentum!hezogenen Stellen fahnden müssen, um sie auszumerzen; sie •hätte vielmehr Talmud und .Midrasch in Bauseh und Bogen vernichten müssen, da sie ja von diesem Haß durchtränkt gewesen wären. In Wirklichkeit aber weiß der Talmud nichts Authentisches über Jesus und das entstehende Christentum zu berichten, und wo er etwa Anspielungen auf beide macht, klingen diese sp verworren, daß ׳man •sie auf den ersten Blick als halbverklungene -und kaum mehr verstandene Sagen erkennen muß. Die pharisäischen Gesetzeslehrer hatten eben ihre Schule von der Außenwelt abgeschlossen und es ängstlich!vermieden, siph in ^eligionsdisputatidnen mit Leuten, die außerhalb des