Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ursprung, Begriff und Umfang der allegorischen Schrifterklärung
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 552 (sequence 10)
- Language
- German
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552 Ursprung, Begriff und Umfang vom ersten Kapitel an, wird bei aller Vergeistigung, Vertiefjung ihres Inhalts nichts von ihrem eigentlichen Gehalt ais Bericht von Geschehnissen genommen. Sind es ,auch nach Targum und Midrasch nicht der Hirt und Sulamit, seine Freundin, mehr in Schir ha-schirim, die das traute Zwiegespräch irdischer Liebe führen, statt dessen das traute Verhältnis der .beiden auf Gott und Israel übertragen wird, SP sind doch auch diese weit entfernt von schattenhafter Gedankenwelt, beide doch wieder persönlich gedacht. Auf finsteres, die Umdeutung in eine esoterische oder Gedanken׳• weit, hat die Bezeichnung Allegorie, wie sie in der Bibel- Wissenschaft eingeführt ist, beschränkt zu bleiben, letzteres aber, und es begreift dieses das große Auslegungsgebiet im Midrasch der palästinischen Schulen, stellt vielmehr den breiten Strom der Agada dar mit ihren mannichfachen Formen, wie sie der Genius der Palästinenser selbständig erzeugt hat. Will man ferner Verständnis dafür, daß sowohl der Agadist wie der Allegoriker nicht bei einer Erklärung stehen bleibt, daß sie sich bei der Auslegung gar nicht genug tun zu können meinen, darum wie aus dem Füllhorn schaffender Phantasie zu zahlreichen Schriftstellern eine Fülle von Erkl ärungen geben, so ist hier auf eine Erklärung hinzuweisen, wie sie M. Joel, Blicke in die Religionsgeschichte (I, S. 52) gibt: es sei .das die Veneration des ,Schriftwortes gewesen, bei der es für .dürftig gegolten, daß die heil. Schrift nur einen Sinn haben sollte; diese Anschauung, zuerst in Alexandrien aufgekpmmen, habe sich dann auch der palästinischen Sphäre mitgeteilt., Das der exegetische Hintergrund nicht nur für $0 wechselnde Fülle von Agadoth oft zu einer einzigen Schriftstelle, sondern auch für die zahlreichen Halachoth, wie sie in der Schule Akiba ben Joseph’s zum ersten Male aufgestellt worden. Läßt dieser Umstand auch nicht al!ies gerechtfertigt erscheinen, so macht er es doch erklärlich. Mag man es seltsam, Widerspruch herausfordernd finden, wie die Methode dieses großen Tannaiteri und seines Lehrers Ma~