Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ursprung, Begriff und Umfang der allegorischen Schrifterklärung
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 551 (sequence 9)
- Language
- German
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der allegorischen Schrifterklärung. 551 bei Juden, Syrern, Griechen, Christen fast auf nichts als Midrasch, Auslegung. Und gleich dahinter: An der Tages- Ordnung war überall allegorische Auslegung und kirchliche Anwendung der heiligen Bücher usw. Es ist ersichtlich, daß für ihn Midrasch oder Agada und Allegorie nicht auseinanderfallende Begriffe sind. Auch Graetz im Kommentar zu Schir ha-schirim, in der Einleitung, schreibt, die eigentümliche Auslegung dieses Buches, wie sie in Targum und Midrasch befolgt wird, rühre von der Allegoristik der alexandrini sehen Schule her, sie habe Unter dem Namen Agada auch in Palästina Eingang gefunden, so sei es gekommen, daß die erotischen Dinge im Hohelied in einem höheren, allegorischen Sinne genommen wurden. Es sind Agada und Allegorie eben Grenzgebiete, Dinge, bei denen die Grenzen auf den ersten Blick ineinander fließen. Beiden gemeinsam ist, daß der Wortsinn aufgegeben, das Wort der Schrift in höherem Sinne aufgefaßt wird, wie, wenn, um gleich deri zweiten Vers in Schir ha-schirim zum Beispiel zu nehmen, »er küßt mich mit Küssen seines Mundes,« in Targum und Midrasch von der Herablassung der Gottheit zum Volke Israel am Sinai erklärt, aus 1” daselbst vermöge eines גמטויא Anspielung auf die siebzig Völkerschaften, die der Talmud als Inbegriff der alten Welt zählt, herausgelesen wiTd. Symbolische Deutung, ähnlich der alexandrinischen Schriftauslegung, ist ja auch dieses; dabei bleibt aberlein Unterschied bestehen, der wesentlich ist, und den ich also formulieren möchte: die Allegorie der Alexandriner geht durchwegs auf eine esoterische, mehr oder weniger mystische Welt, Personen und Sachen, alles wird in Ideen oder doch Gedankendinge aufgelöst. Demgegenüber bleibt die Agada, oder die Auslegung in den palästinischen Schiiten, auch da, wo sie sich mit ersterer zu berühren scheint, der ganzen Denkrichtung, Weltanschauung der Rabbinen gemäß bei der Welt des Reaien stehen, die Persohen bleiben Personen, den Erzählungen des Pentateuchs,