Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ursprung, Begriff und Umfang der allegorischen Schrifterklärung
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 550 (sequence 8)
- Language
- German
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550 Ursprung, Begriff und Umfaug sie auf religionswissenschaftlichem, insbesondere exegetischem Gebiete zwischen Alexandrien und Palästina hin und her laufen, die Frage, wie sich das Verhältnis alexandrin ischer Allegoristik zum palästinisehen Midrasch, wenn überhaupt solches vorhanden, gestaltet hat. Es ist bislang vielmehr von dem anderen, von dem Einfluß palästinischer Exegese auf alexandrinische Hermeneutik, besonders seit Z. Frankens epochemachenden Arbeiten auf dem Gebiete der Septuagintaforschung, die Rede gewesen, ünd man hat sich so sehr gewöhnt, Palästina als das Mutterland von Alexandrien anzusehen, daß man gemeint hat, fast alles, was Alexandrien von jüdisch - hellenistischem Schrifttum besitze, in seinen Ursprüngen von dort herschreiben zu müssen, und es liegt ja nach dem Gang der geschichlichen Entwicklung der Dinge vollauf Berechtigung darin. Daß dieselbe aber in ihren späteren Etappen auch den umgekehrten Weg genommen, also daß die palästinensischen Schulen wie als Gebende auch als E m p f a n g e n d e Alexandrien gegenüber erscheine, ist bereits auch wieder und besonders durch J. Freude nthal in seinen tiefgründigen »Hellenist. Studien« festgestellt worden. Und so lautet auch für uns die Frage: Hat die eigentümlich gefärbte alexandrinische Hermeneutik ihren Weg auch nach Palästin a gefunden? Mit anderen Worten: Ist ernstlich und im wissenschaftlichen Sinne, wie dies heute schon geschieht, — vereinzelt auch früher schon — von Allegorien auch beim palästinischen Midrasch zu reden? Besteht Verwandschaft zwischen beiden, fallen sie gar teilweis zusammen? Es versteht sich von selbst, daß in Fragen des Midrasch von Zunzens »Gottesd. Vortr. d. Jud.« diesem standard-book für Midraschforschung ausgegangen wird. Der Altmeister beginnt im Kap. 3 »Midrasch« seine diesbezüglichen Ausführungen mit der allgemeinen Bemerkung: Ober ein halbes Jahrtausend trifft das Auge des Beschauers