Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ursprung, Begriff und Umfang der allegorischen Schrifterklärung
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 545 (sequence 3)
- Language
- German
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der allegorischen Schrifterklärung. 545 Philös, das sein inneres, philosophisches Bedürfnis bei allegorischer Schrifterklärung, wie es bereits 2. Frankel erkannt hat, vgl. »Über den Einfl. u. u. § 9, Anm. Geht dOch seine Verehrung gegen1 das Schriftwort so weit, daß er tieferes Schriftverständnis auch nicht-für möglich hält ohne göttliehe Eingebung, die er in der Tat zeitweilig besessen haben will (vgl. E. Zeller, Philos allegorische Schriftauslegung). Neben diesem inneren* subjektiven Bedürfnis wirken freilich auch äußere, objektive Gründe mit, so insbesondere sein apologetisches Streben, dem zahlreiche Stellen seiner Schriften, ganze Bücher gewidmet sind. Hier ist die Absicht einer Versöhnung von griechischer Philosophie besser, dem Geist seiner Zeit mit dem Schriftwort unverkennbar. Sei es nach der einen oder anderen Erklärung von Philos Allegoristik, so viel ist klar: das wahre Verständnis der heil. Schrift als eines VolksundErziehungsbuches, als eines fortlaufenden und zwar volkstümlichen Berichts vom wachsenden Reiche Gottes ist ihm gar nicht aufgegangen, aber ebenso wenig auch dem palästinischen Midrasch. Alles in der Schrift wird so Philo unter der Hand zu »Bildern«, die gartz anderes als empirische Dinge bedeuten, so sieht er dort in Allem nichts als verdeckten, versteckten Sinn, die ütcovos«, wie er es nennt. So werden ihm gleich im Anfang der Genesis die Namen Adam und Eva zu Sinnbildern von Vernunft und sinnlichem WahrneHmen, das Nacktsein der beiden ist!Hm nicht Nacktheit des Leibes, bedeutet ihm vielmehr ein Entblößtsein von Tugend, die Erzählung, »daß sie sich verbargen, daß ein Mensch, wer immer, sich vor Gott verbergen will«, wird1 ihm gleich zum Bild des Gottesleugners, wie umgekehrt »ein vor Gott stehen«, wie es von so vielen in der Schrift heißt; ihm Anerkennung Gottes als Herrn des Weltalls bedeutet. Die »Schlange« daselbst ist ihm die ■nSovtf, die Lust — er ist wohl dererste mit dieser Auffassung— doch zunächst nicht die gemeine Lust, vielmehr Verlangen nach Zusammenwirken;von Vernunft und Sinnlichkeit imwissenschaftlichen 35 Monatsschrift, 55. Jahrgang.