Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ursprung, Begriff und Umfang der allegorischen Schrifterklärung
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 544 (sequence 2)
- Language
- German
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544 Ursprung, Begriff und Umfang nerste Wesen alexandrinischer Allegoristik einzudringen, von wo aus erst die Frage des Anwendungsbereichs der Allegorie als Schriftdeutung zu lösen ist. Beginnen wir mit der Frage, was Philo mit allegorischer Auslegung gewollt. Auszugehen ist nicht von der Annahme, daß Philo damit nichts weiter als Übereinstimmung zwischen Denken und Glauben, zwischen griechischer Philosophie und dem Nomos, wie er das mosaische Schriftwort nach allen seinen Teilen nennt, habe herstetlen wollen, und Zwiespalt, wo immer er sich zeigt, um jeden Preis damit habe beseitigen wollen, es hieße das ihm gar zu berechnetes Tun, gewissermaßen Unterordnung unter die Herrschaft des Griechentums, unterschieben, wie es noch J. Freudenthal tut; schreibt doch derselbe in seinen »Hellenistischen Studien«, S. 74: Allegorische Deutung tritt erst auf, wo ein Zwiespalt zwischen dem Erklärer und dem erklärten Text besteht und durch künstliche Mittel beseitigt werden soll. Nicht viel anders die Wertung bei E. Zeller. Er sieht ein Hilfsmittel der Ausgleichung darin, gleich wie die Stoiker es auf griechischem Religionsgebiete angewendet haben Bei solcher Auffassung bleibt vieles von den Allegorien Philos unerklärt. Vieles erscheint gewaltsam, zum mindesten unnötig. Die Verschmelzung von griechischer Philosophie und mosaischem Schriftwort, der alex. Synkretismus, ist Resultat, die Faktoren dieses;ganzen Gedanken- und Auslegungsprozesses sind zum Teil andere. Auszugehen ist vielmehr von einer Art mystischer Verehrung, die Philo für das Wort der Schrift gehabt; ihm ist alles bis auf den Ausdruck, die kleinste Nüance desselben, die kleinste Partikel!inspiriert. Dieser seiner Grundanschauung mußte es widerstreiten, daß in der heiligen Schrift nichts weiter zu .erblicken wären, als Erzählungen von Personen und äußeren •Vorgängen, die von ihren Verfassern ־nach Art der Logographen :gegeben wären. Es wäre Gottes Wort nicht, wenn es nicht geheime Weisheit enthielte. Das der ,Gedankengang