Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 5 · p. Seite 539

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 5
Article
Das Steinewerfen in Koheleth 3,5, in der Deukalionsage und im Hermeskult
Date
1911-01-01
Page
Seite 539 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2829132-2829835-2829841-2890980--38999-2891023
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

in der Denkalionsage und im Hermeskult. 539 geschmiedet, unter Zimmerleuten gehobelt (Dähnhardt 1, 63). So konnte an Stelle des »Wasserwerfens« in gebirgiger Gegend »Steinewerfen«: entstehen. Einen Beweis dafür, daß das Werfen konstant bleibt, das Material aber wechselt, liefert die Angabe A. v. Humboldts1 2), daß die Tamanaken am Orinoko sich die Menschen aus Dattelkernen entstanden denken, die ein bei der Flut auf hohen Bergesgipfel geflüchtetes Paar über sich geworfen habe. Möglich ist auch, daß die oben aus der Mechilta zitierte Bezeichnung der Hoden als Steine und der erwähnte Gleichklang von und ^2 bei den Semiten zur Bildung des Ausdrucks beitrug. Wie dem auch sei, die Bedeutung des Ausdrucks »Steinewerfen« steht jetzt fest und kann noch zur Lösung mancher anderen Schwierigkeiten führen. Die älteste Form des Hermeskultes bestand im Werfen von Steinen. Auch im Talmud ist dieser Götzendienst als אבני בית מרקדים erwähnt (b. Ab. sar. 51a, b. Bab. mez. 25b). Die Auffassung der über die ganze Erde verbreiteten Steinhaufen als Erinnerungszeichen an irgend eine Person oder Tat bietet für den Herrneskuit keine Erklärung. Ein plausibler Sinn ist bisher für die Hermaia nicht gefunden. Schmidts Auffassung*) der Hermaia als symbolischer Steinigung eines Frevlers, der dem Hermes Chthonios übergeben worden sei, befriedigt nicht. Wir müssen vielmehr davon ausgehen, daß in diesen Steinhaufen des Hermes ein Phalluspfeiler stand. Später wurde an diesen Pfeiler auch der Kopf des Gottes angesetzt; so entstanden die Hermen. Hermes war auch Gott der Zeugung und Fruchtbarkeit und wurde als solcher in Phallusgestalt verehrt. Da nun, wie wir festgestellt haben, Steinewerfen ein Symbol des Zeugens war, so leuchtet es ein, daß Hermes verehrt wurde, indem 1) A. v. Humboldt: Ansichten der Natur 1, 2408 zit. bei H. Usener, Die Sintflutsagen, S. 245. 2) Chantepie de la Saussaye, Religionsgeschichte II, S. 301.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.