Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Steinewerfen in Koheleth 3,5, in der Deukalionsage und im Hermeskult
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 537 (sequence 7)
- Language
- German
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in der Deukalionsäge und in Hermeskult. 537 sie auf dem Parnaß. Deukalion bringt Zeus ein Opfer dar, und als Zeus ihm einen Wunsch gestattet, bittet er um Menschen. Diese entstehen, indem Deukalion und Pyrrha Steine, »die Gebeine der Mutter«, hinter sich werfen, die sich in Menschen verwandeln. Dieser eine Zug ist der griechischen Sage eigentümlich. Sie teilt ihn noch mit der slavischen Sage vom Regenbogen, der das einzige nach der Tat übriggebliebene Menschenpaar tröstet und ihnen rät, über Steine zu springen. So entstanden neue Menschenpaare1). Jeremias2 *) weist auf die oben zitierte Stelle der Odyssee, ferner auf die Baitylien hin, die beseelten Steine, die Uranos mit der Erde erzeugte, und schließt: »Von unserem Standpunkt aus müssen wir annehmen, daß auch hier Ideen vorliegen, die auf eine Wurzel zurückgehen. Und dann kann auch der orientalische Ursprung der Deukalionsage nicht mehr zweifelhaft sein«. — Alles weist auf orientalisehen Ursprung bis auf den Zug vom »Steine werfen«. Sollte dieser nicht auch vom Orient gekommen sein und zwar als gebräuchlicher symbolischer Ausdruck für »Zeugen«? Deukalion bittet um Menschen, die Gottheit fordert ihn und Pyrrha auf, Steine zu werfen, vorher aber sagt sie: »Hüllt euch Beide das Haupt und löst die gegürteten Kleider«s). Diese Aufforderung wird uns nun begreiflich, zum Werfen von Steinen braucht man die Kleider nicht zu lösen! In diesem Sinne scheint schon Rabelais die Sage verstanden zu haben4״): »besser kein Herz zu haben als keinen Zeugungsapparat, denn in ihm ruht wie in einem Tabernakel l) Jeremias ATAO S. 248. *) a. a. O., S. 238, Anm. 4. •) Ovid, Metam. 1, 382: Ei velate caput, cinctasque resolvite vestes. 4) Rabelais: Pantagruel, II. Buch. cap. VIII, S. 52 der Über- Setzung von Engelbert Hegaur und Dr. Owlgläß. Den Hinweis auf diese Stelle verdanke ich der Liebenswürdigkeit Dr. D. Ernst Oppenheims in Wien.