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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 5 · p. Seite 527

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 5
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1911-01-01
Page
Seite 527 (sequence 15)
Language
German
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Die Ethik R. Saadjas. 527 vom menschlichen Seelenwesen und findet den Maßstab der ethischen Beurteilung in der prüfenden und richtenden Kraft der Vernunft. Was diese als dem irdischen Wohle förderlich erkennt, wird als »gut* bezeichnet und dessen Gegenteil als »schlecht«. Saadja gibt deshalb recht bezeichnend dem zehnten Abschnitt die Überschrift »Über die beste Art der menschlichen Lebensführung im Diesseits«. Der Begriff der Ethik, wie er uns hier entgegen tritt, verrät sowohl durch seine Verwandtschaft mit dem Begriff der Politik, wie hauptsächlich, wie wir später noch sehen werden, durch sein Prinzip, den Einfluß der griechischen Ethik und’ unterscheidet sich wesentlich von der Fassung, die die Ethik Saadja's in der Religion annimmt. Im zehnten Abschnitt behandelt Saadja den Menschen als ein selbständiges, unabhängiges, seine eigene Vernunft als höchste Richterin anerkennendes Wesen; ganz anders ist dem gegenüber aber nach Saadja die Stellung des Menschen in der Religion. Hier verliert er seine Unabhängigkeit, seine Vernunft wird mangelhaft und er tritt als Kind in ein Verhältnis zu Gott, als seinem Vater, der zwar das Glück des Kindes will, dafür aber auch unbedingten Gehorsam verlangt. Saadja beginnt daher seine Untersuchungen über den ethischen Gehalt der Offenbarungslehren gleich mit dem Hinweise, daß der Mensch sein Dasein nur der Güte Gottes verdanke, daß Gott ihm außerdem aber noch gnädig die Mittel gewährt habe, durch die er die ewige Glückseligkeit und das höchste Gut erlangen könnte. Diese Mittel sind die göttlichen Gebote und Verbote. Befolgt der Mensch sie, so wird er von Gott dafür belohnt, verwirft er *sie aber, so wird er bestraft. Gott hat sie dem Menschen durch die Propheten offenbart und allein aus diesem Grunde sind sie für den Menschen von verbindlicher Kraft1). Allein Saadja verwirft, wie wir schon wissen, den blinden Autoritätsglauben und sieht sich deshalb ,-gezwungen, die Verbind- י «) Emunot III, S. 58.

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