Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 525 (sequence 13)
- Language
- German
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Die Ethik R. Saadjas. 525 •regelt1). Die Ethik als besondere Disziplin findet in diesem System also keine Stelle. Nehmen wir aber an, daß hier Politik und Religion die Teile der praktischen Philosophie bilden und also der Ethik und Politik im aristotelischen Systeme entsprechen2 *), dann werden wir, wenn wir von der umgekehrten Folge der Teile absehen, die Ethik Saadja's hauptsächlich in dessen »Religion« zu suchen haben. Indessen es scheint doch auch, daß Saadja, unter dem Einfluß der griechischen Philosophie, obgleich er die Politik selbst nicht weiter behandelt hat, wozu er ja auch, da er hauptsächlich nur für seine Glaubensgenossen schrieb, keine Veranlassung hatte, die Ethik auch als eine »Politik im engeren Sinne« betrachtet hat, und sie infolgedessen also auch zur Politik rechnet. Wie wir aus gelegentlichen Bemerkungen ersehen und auch oben schon bemerkt haben, besteht die Politik in der »Leitung des Staatswesens«, ihr Zweck ist die Förderung der Wohlfahrt der menschlichen Gesellschaft8). Die Mittel zur Erlangung dieses Zweckes gibt nur »die vernünftige Überlegung (חכמה)« an4 * * *), indem sie durch Gesetze und Verbote für die Aufrechterhaltung der Ordnung sorgt und die Gesellschaft vor Untergang bewahrt. Eine Bedingung zum Bestände des staatlichen Gemeinwesens ist aber auch der Glaube an die Wahrheit menschlicher Überlieferung, denn ohne diesen würde *) Unter עבודה versteht Saadja den praktischen Teil der Religion, der als Gottesdienst im weitesten Sinne das ganze Leben des Menschen umfaßt Emunot X, S. 157: כי העבודה הי« בכל המצות השכליות והשמעיות. s) »Politische Wissenschaft« ist der von Aristoteles eingeführte Name für das ganze Gebiet des praktischen Lebens, welcher Ethik und Politik umfaßt, s. N. E. VI, 8, vgl. Zeller II, 2, S. 127 u. 468. 8) Emunot X. S. 161; VI, 76: עד שנתתקנו בני אדם; X, S. 154: ,ולולא השררה לא היה העולם מסודר, ולא נשלמו תקנותיו. Ohne Regierung wäre keine Ordnung in der Welt, und ihre Wohlfahrt könnte nicht gefördert werden. 4) Emunot X, s. 155: סדור העילם לא יהיה כי אם בחכמה.