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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 5 · p. Seite 523

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 5
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1911-01-01
Page
Seite 523 (sequence 11)
Language
German
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Die Ethik R. Saadjas; 523 Dieses Abhängigkeifcsverftältnis•, m dem; die Philosophie gewissermaßen auch nur »die Magd der Religion« ist, kommt hauptsächlich in den metaphysischen Forschungen Saadja’s zum Ausdruck. Ln den ethischen Betrachtungen gewährt er der Vernunft mehr Freiheit und Selbständigkeit, doch beschränkt er ihr Vermögen dahin, daß sie die Wahrheifcen des praktischen Lebens nur im allgemeinen zu finden, keineswegs aber genau zu bestimmen vermag. Wollte man daher es der Vernunft allein überlassen die Normen festzustellen, nach denen sich das Tun und Lassen der Menschen zu rächten hätte, so wäre man in sehr vielen Punkten ratlos und eine Übereinstimmung in den einzelnen gesetzlichen Bestimmungen fast unmöglich. Diesen Mangel der Vernunft ersetzt nun vollständig die Offenbarung, so daß sie im praktischen Leben als die notwendige Ergänzur&g der menschlichen Vernunft unentbehrlich ist1־). Welche Gestalt die Ethik Saadja's bei diesen Voraus- Setzungen annehmen muß, ist schon hier zu erkennen. Sie wird nur in beschränktem Maße autonom sein, und so weit sie heteronom ist, wird sie von spezifisch religiösen und ähnlichen Elementen durchsetzt sein. Wir wollen nun versuchen, die Grundbegriffe der saadjanischen Ethik darzustellen, und zwar zunächst ihren Begriff und ihre Kategorien. Erkenntnisse als Anfänge unseres Glaubens betrachtete« und daher nicht den Glauben vor dem Wissen, sondern das Wissen vor dem Glauben, forderte, s. Ritter, das 409 ff. Thomas v. Aquino hatte, von Maimonides beeinflußt, ebenfalls Vernunft und Offenbarung als zwei Erikenntnisquellen angenommen. Allein während Saadja die Offenbarung mehr für ein äußeres Förderungsmittel für die natürliche Erkenntnis hielt, weil die Offenbarung nur das lehre, was die menschliche Vertmnft selbst erkennen könne, hielt Thomas sie für eine absolute Notwendigkeit wegen der Mysterien, die jenseits aller Vernunft liegen. Saadja kennt keine Glaubensmysterien. Stöckl, A. Geschichte d. Philos. d. Mittelalters II, S. 447. *) Die Spekulation dient nur dazu, uns durch Vernunftgrände von der Wahrheit der Offenbarungslehren zu überzeugen. Em. S. 12. Wer philosophiert, ohne die Schriften der Propheten zu beachten.

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