Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 519 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Ethik R. Saadjas. 519 Hier wie an anderen Stellen* 1) betont Saadja die sinnliche Wahrnehmung als die einzige Erkenntnisquelle, und doch hindert ihn das nicht, gleich beim Anfang seiner Untersuchungen2) drei natürliche Erkenntnisquellen anzunehmen, in denen alle Wahrheit und Gewißheit ihren Ursprung habe: 1. die durch die fünf Sinne vermittelte Wahrnehmung, 2. die intuitive Erkenntnis der Vernunft und 3״ das Erkennen durch Reflexion und logische Schlüsse, indem man von einer durch die Sinne wahrgenommenen oder durch die Vernunft erkannten Wirkung auf eine nicht weiter wahrnehmbare oder erkennbare Ursache schließen muß. Die dritte Erkenntnisquelle hat die beiden ersten zu ihrer Voraus- Setzung; das Verhältnis aber, in welchem die zweite zur ersten, das heißt die intuitive Vernunfterkenntnis zur sinnliehen Wahrnehmung steht, ist mit Sicherheit bei Saadja nicht festzustellen3). Wie verhalten sich diese drei natürliehen Erkenntnisquellen zur ethischen Erkenntnis? Die durch die Sinne erlangte Erkenntnis hält Saadja für eine unzweifelhaft wahre, sobald sich der Mensch dabei nicht durch die Einbildung täuschen läßt, so daß in der Erkenntnis, die aus dieser Quelle fließt, keine Differenz unter den Menschen stattfindet4). Für die Ethik liefert diese Quelle die Erkenntnis von dem, was Lust und Schmerz bereitet oder angenehm und unangenehm ist Außerdem beweist Saadja aus ihr die Willensfreiheit des Menschen4). Seeie esst gibt den Sinneswerkzeugen (לכלי החוש) die Fähigkeit zur sinnlichen Wahrnehmung. Vgl. D. Kaufmann, Die Sinne, S. 57• 1) Emunot II, S. 56; vgl. S. 7; I, 41. 2) Das. S. 7. 3) Aus Emunot S. 7:ובכופר בראשון כופר בשני und aus I, S. 41 unten, wäre die Abhängigkeit der Vernunfterkenntnis von der Sinnes- Wahrnehmung zu folgern; diesen Stellen stehen aber andere gegenüber: I, S. 34 und 37; II, S. 55, an denen die Unabhängigkeit und Selbständigkeit der Vernunfterkenntnis betont wird. 4) Emunot S. 8, I, S. 15. 6) Das. IV, S. 78; vgl. X, 14S usw.