Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 518 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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518 Die Ethik R. Saadjas. Die gesammelten Merkmale werden' dann der Urteilskraft unterbreitet^ die das Wahre und Richtige vom Falschen und Unrichtigen, sondert und sichtet. Die so gewonnenen Erkenntnisse werden dann vom Gedächtnis erfaßt und aufbewahrt. Dieser ganze Denkprozeß beruht aber auf der Voraussetzung von der Richtigkeit unserer Sinneswahrnehrmingen.« Aber nicht nur der Begriff, auch die höchste Erkenntnis nimmt bei Sa&dja wie bei Aristoteles ihren Ausgang von der sinnlichen Wahrnehmung. »Das menschliehe Wissen hat zu seiner Grundlage die sinnliche Wahrnehmung; es nimmt seinen Ausgang von den groben Sinneseindrücken, die den Menschen unter sich und auch mit den Tieren gemeinsam sind. Allein der Mensch bleibt bei der Erkenntnis durch die Sinneswahrnehmung nicht stehen; von dieser, untersten Erkenntnisstufe steigt er vielmehr immer höher und höher hinauf, bis er endlich zu der höchsten,!hm erreichbaren Stufe gelangt ist. Mit jeder höheren Stufe der Erkenntnis nimmt aber die sinnliche Greifbarkeit seiner Erkenntnisse naturgemäß immer mehr ab, bis der Mensch, an der äußersten Grenze seiner Erkenntnis angelangt auch die feinste und höchste Abstraktion gewonnen hat«1). l) Eismnot we-Öeot II, S. 39; vgl. hiermit die Entstehung des Wisäens bei Aristoteles, Zeller II, 2* 138—140. Die Abhängigkeit Saad- ]äs von Aristoteles zeigt sieh auch sonst noch oft. So sagt Saadja Ern, we-Deöt I, S. 34: אבל הוא יודע בשכלו וכר und Einleitung S. 6: ונאמר צי היא עבין"עילה בלב: רבו׳ fast ,wie Aristöt., daß sich aus der Wahritehifmrig mittelst des Gedächtnisses eih allgemeines Bild erzeuge, iti&em däsjeälg^ fetgeh alten' werde; wag die Begriffe bildende Veriufäffc von dein alle sinnlichen Wahrnehmungen aufbe wahr enden und vereinigenden Seelenvennögea empfängt* Daß dieses Vermögen der aristoteL Gemeinsiim sei, hat schon Guttmann a. a. Q. S, 71 bemerkt. Mit Ärlsf. (Zeller II, 2, S. i33) glaubt auch Saadja, daß, wenn <fss Wissen dödh V&ridfMst dter Erfahrütig tusfättde komme, die Seele den Grund ihres Wissens doch in sich selbst trage: Emunot we-Deot VI, S. 98: ואחרי בן התבאר לי< כי הנפש הזאת חכמה לעצמה ומי״, ferner, daß, wenn die Sinne täuschen, nicht sie, sondern der Verstand die Schuld daran trage, da sie nur seine Werkzeug® seien. Das: »Die