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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 5 · p. Seite 517

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 5
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1911-01-01
Page
Seite 517 (sequence 5)
Language
German
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Die Ethik R. Saadjas. 517 welches die Quellen für diese Erkenntnis sefen. Für Sokrates war diese Quelle die Dialektik, die große Scheidekunst, die das Wesentliche von dem Unwesentlichen trennte und die verschwommene Vorstellung in einen festen und klaren Begriff zusammenzog. Plato hatte auf dem Wege der Dialektik hinter dem Begriff die Idee entdeckt und geglaubt, daß diese nur mittelst der Vernunft, frei und unabhängig von jeder sinnlichen Wahrnehmung, erkannt werden könnte. Der sokratisch-platonischen Dialektik huldigte zum großen Teile auch Aristoteles, allein, im Gegensatz zu Plato, machte er die sinnliche Wahrnehmung zur Grundlage aller Erkenntnis. Von der sinnlichen Wahrnehmung steigt der Mensch, wie Aristoteles lehrt1), durch fortgesetzte Abstraktionen stufenweise vom Besonderen zum Allgemeinen, von den Wirkungen zu den Ursachen und so zum Ziel unserer Erkenntnis. Saadja folgt nun zu« nächst auch hierin, in näherem Anschluß an Aristoteles, der griechischen Philosophie. Er dringt deshalb ebenfalls auf klare Begriffsbestimmung wie Sokrates, nimmt mit Plato eine intuitive Vernunfterkenntnis an und macht doch wie Aristoteles die sinnliche Wahrnehmung zur Grundlage alles Wissens und Erkennens. ־«►Der Anfang, mit dem die menschlichen Erkenntnisse beginnen,« sagt er in der Einleitung2 3 *), »wird von durcheinander gemischten, verworrenen Anschauungen gebildet; die dem Menschen eigene Vernunft läßt aber nicht nach, jene Begriffe innerhalb einer gewissen Zeit zu klären und zu läutern, bis die Zweifel geschwunden, und die klare, mit keinem Zweifel mehr versetzte Erkenntnis gewonnen ist An einem ahderen Orte9) heißt es: »Zur Erkenntnis eines Dinges muß man zunächst alle diesem eigentümlichen Merkmale sammeln. *) Zeller II, 2, S. 138-140. 3) Emunot we-Deot S. 4. 3) Jezirahkommentar, S. 26 und 88 zu II, § 1. |Vgl. jetzt ed. Lambert (Paris 18911 S* 59J.

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