Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 504 (sequence 2)
- Language
- German
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504 Besprechungen.!mal Itqän usw.; der Leser wäre besser informiert gewesen und hätte auch eine bessere Vorstellung von dem Wesen des Pethichot gewonnen, als wenn er bei Kiinstlinger S. 8f. die merkwürdigen Satze findet: »»Die Völker des Altertums sahen in jeder Erscheinung ein Zeichen, einen Wink einer höheren Macht, der gedeutet werden sollte. In diesem Ende legten die Barüti der Babylonier Verzeichnisse der Deutungen allerhand Erscheinungen an, um im Falle einer beobachteten Erscheinung die von den früheren Priestern bereits festgesetzte Deutung zu finden oder neue hinzufügen. Der Stil dieser eigenartigen Verzeichnisse setzt die Aequatio-Methode voraus. Denn der Satz z. B.: »Ist die Flamme eines Lichtes grünlich, so wird der Hausherr und die Hausfrau in Unglück geraten,« geht doch offenbar auf die einfache Gleichung zurück: »Grünliches Flammenlicht Unglück der Hauswirte«. Die Barüti beschäftigen sich mit der Deutung von Träumen, Leberschau, Bücherwahrsagung, Tieromina etc. Wie jene aus allem diesen die Zukunft deuteten, indem sie in den Erscheinungen Zeichen erblickten, welche auf zukünftige Zustände hindeuteten, so fanden die alten Erklärer der Bibel außer dem eigentliehen Sinne der im göttlichen Buche enthaltene Wörter und Worte noch einen andern Sinn (allegoria) in denselben, der auf irgend etwas Anderes, im Worte nicht direkt Liegendes, hindeutet. Die allegorische Aaslegungsmethode der Bibel ist genau dieselbe, wie wir sie in der Traumdeutung u. drgl. finden. Dasselbe kann auch vom משל und der .הידד behauptet werden. — Die Petiha hingegen ist, wie oben bereits gezeigt wurde, eine Weiterentwickelung der Einzeldeutung. Sie faßt einige Einzeldeutungen die gewissermaßen eine Gruppe bilden, in eine Einheit zusammen, setzt diese in einen Konnexus mit dem zu deutenden Bibelsatz oder Abschnitt, in dem die letzte Einzeldeutung in jenen Satz oder Abschnitt einmündet, wodurch eine Inklusio notwendigerweise entsteht. Dem Wesen — nicht der Kunstform nach — ist die Petiha nächstverwandt mit dem määäl. Im mäsäl wird eine dem Leben entnommene Handlung .... als Deutung verwendet. Die Petiha nimmt anstatt der Handlung eine bereits vorhandene Gruppe von Einzeldeutungen,!deren Gesammtbeit und ganz speziell die letzte, den zu deutenden Text deutet. Die Petihä ist demnach, was die Form anbetrifft: eine Fortentwickelung der feinzddeutung; was den Inhalt anbetrifft: eine Art mä§äl. Daß die Methode der Petiha mit der Traumdeutung in einem gewissen Zusammenhänge steht, beweist derselbe terminus technlcus, der bei beiden verwendet wird: פתר. Da pätar aus einer noch illitteraren Zeit stammt, so wird es älter als pätah sein und sich wohl ursprünglich auf die Einzeldeutung