Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Lebesnzeit und Heimat des Isaak Or Sarua
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 490 (sequence 13)
- Language
- German
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490 Lebenszeit und Heimat des Isaak Or Sartia. weitern Sinne alle slavisohen Länder umfaßt haben. Doch hat dieses Wort sicher noch einen engern Sinn gehabt und ein bestimmtes Land bedeutet. Dies ist entschieden bei. IOS. der Fall. Wenn er wiederholt von.»unsern Gebräu» dien im Lande Kanaan« spricht, so kann er nur ein ganz bestimmtes Land und nicht die unbestimmte Ländermasse der Slaven gemeint haben. Schon im 12. Jahrhundert vsrstand man sehr wohl die einzelnen slavischen Länder, wie Rußland. Polen und Böhmen auseinander zu. halten1). IOS.. der stets genaue Bezeichnungen liebt und Zweideutigkeiten vermeidet, hätte, wenn er verschiedene slavische Länder besucht hätte, sicher nicht unterlassen, die einzelnen Län- {]er, in denen er die angeführten Gebräuche beobachtet genauer zu bezeichnen. Der Ausdruck 2במלכיהנו) der ein; Königreich oder ein unter einem besondern Herrscher siehendes Land bedeutet, schließt es aus, an eine Länder־ ־!nasse zu denken. Welches slavische Land dürfen wir unter Kanaan bei IOS. verstehen? Rußland erwähnt er selbst niemals, Polen vielleicht ein einziges Mal3). In Ungarn, wo sich ebenfalls viele Slaven befanden, hat er sich wohl aufgehalten, doch nur ganz kurze Zeit4), Meißen, die Provinz Sachsen und Österreich, wo im 13. Jahrhundert Überreste von Slaven gelebt haben mochten, wo aber das deutsche Element, wenigstens in den Städten, nach Jahrhunderte langer Kolonisation ohne Zweifel stark vorherrschte, kann er unmöglich als slavische Länder bezeichnet haben5). Er kann auch in. *) Von Rußland und Polen erzählt bei IOS. Elieser aus Böhmen : IOS. I, S. 40b Nr. 113. *) Siehe S. 496, Aixm. s) I, S. 112 b unt. ist wohl בפולניה statt בפולנית zu lesen? 4) Siche unten S. 497, Anm. 3. *) Vollständig unhaltbar ist die Annahme von Zunz (Binj&ffiia a. Tudela, ed. Ascher, II, S. 288 unt), IOS. nenne sein Land Kanaan,, weil Österreich damals unter Ottokar II. zu Böhmen gehört habe. So lagen doch die politischen Verhältnisse nicht, daß Österreich als.