Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Tefilla für die Festtage
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 432 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Die Tefilla für die Festtage. und ist geneigt, es in Verbindung mit dem ebenfalls unverständlichen שם zu lesen ושם נעלה ונראה; ferner sieht er in אלהינו ואל הי אבותינו den Anfang des Stückes ומפני חטאינו, der durch Amram1 2 *) in dieser Weise bezeugt ist. Nach alledem sollen in dieser Halacha als Stichworte die wesentliebsten Sätze der üblichen Mußaftefilla angedeutet sein. Und das, obwohl es ausdiücklich heißt: ביוצר במנחזז ובערבית!! Einen Augenblick hat Müller die Möglichkeit in Erwägung gezogen, daß sich in alten Zeiten das Mußafgebet in der Form nicht von den anderen Gebeten unterschied8), aber er hat diese Idee nicht weiter verfolgt. Endlich muß der neueste Erklärungsversuch von W. Jawitz®) erwähnt werden, der geneigt ist, die ganze Stelle für versetzt zu erklären, in גלה ובו׳ eine Erinnerung an ומפני חטאינו und in אנא אלהינו eine solche an אלחינו ואלהי אבותינו מלך רחמן zu erblicken. So gering ist der Kredit, den der Text im Traktat Sofrim bei allen Forschern genießt. Auch diese schwierige Stelle — eine wahre crux interpretum — hat jetzt ihre Lösung gefunden. Sie ist ein Rätsel, nur so lange wir sie an den uns bekannten Gebeten messen, und klärt sich völlig befriedigend auf, sobald uns neue Texte zufließen. Dafür hat, wie in anderen Fällen, die Genisah von Kairo gesorgt. Bei einer flüchtigen Durchsicht der in Oxford und Cambridge aufbewahrten Genisahfragmente habe ich Liturgien entdeckt, die sich auf alle 4 Festtagsgebete beziehen. Die Feiertage sind bis auf Schabuoth sämtlich vertreten; dieses fehlt nicht darum, weil die Gebete etwa abweichen, sondern ausschließlich aus dem Grunde, weil es mir an Zeit fehlte, in Cambridge, wo der größte Teil der Genisah- Fragmente aufbewahrt wird, die Kästen für Pesach und Schabuoth durchzusehen. Von den Texten liegen mir Pho- 1) S. 41b. 2) a. a. O. S. 263, N. 24. 3) מקור הברכות, Berlin 1910, S. 25 f.