Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 4 · p. Seite 405

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 4
Article
Das Laubhüttenfest Chanukka
Date
1911-01-01
Page
Seite 405 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829835-2829840-2890833--38857-2890872
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Laubhüttenfest Chanukka. 405 Ceschicbte von Nehemia erzählt, der das zur Zeit Jeremias versteckte Altarfeuer, in Wasser verwandelt, wieder auffand, dieses Wasser nun auf das Holz, die Opfer und die Steine gießen ließ (v. 21 u. 31), worauf es sich in Feuer verwandelte. Diese Handlung erinnert aber an die Zeremonien, die am Abend des ersten Tages des Hüttenfestes im Tempel vorgenommen wurden. Da war ein großes Freudenfest, man goß Wasser aus1), man zündete Fackeln und Lichter an (Mischna, Sukka V) und man weiß eigentlich nicht zu sagen, woher die Zeremonie, weshalb an diesem Tage und wozu die ganze Freude. Es Hegt nahe in diesem seltsamen Fest das Weihefest des Tempels zu erblicken, und dieser eine Gedanke erleuchtet blitzartig die ganze rätselhafte Erscheinung, daß sich um diese kleinliche Zeremonie des W&sserausgießens ein heftiger Kampf zwischen Sadduzäern und Pharisäern entspinnen konnte2). Natürlich I — die Pharisäer bevorzugten im Gegensatz zu dem makkabä- Ischen Chanukkafeste absichtlich das alte Weihefest im י) Der sekundären Deutung dieser Handlung, daß symbolisch eise Bitte um Regen dadurch ausgedrückt sei, steht die Stelle I S3m. 7, ß entgegen. 2} Sukka 48 b kombiniert mit Jos. Ant, XIII, 13, 5 § 372, Die re'ilgionsgeschichtfichen Zusammenhänge, die Feuchtwang in dem letzten Nummern dieser Zeitschrift zwischen dem Wasseropter und Wldsdscben Gebräuchen nachgewiesen hat, berühren unsere These ■»ich?. Auch Chanukka ist mit dem Feste der Wintersonnenwende idBhc: verwandt und bleibt deshalb doch Tempelweihe. Insbesondere legi die Rolle, die der אבן שתיה, der Grundstein, bei den unerklärt geblichenen Gebräuchen spielt, den Gedanken an die Grundstein- Icgisng des 'Heiiigtumes nahe. Ursprüngliche Einweihungszeremonien, — das Wasseropfer — deren Sinn man nicht mehr verstand, wurden spater mit der Bitte um Regen in Verbindung gebracht, der Grundstein des Tempels wird zum Grundstein der Welt. Fremde Einflüsse wirken dabei mit. Daß ein so fernliegendcr Gedanke wie die Auferstehn ng der Toten in diesen Ideenkreis mit einbezogen wird, erklärt sieb aus der sadduzäischen Opposition gegen Wasseropfer und Auf- •ersteh nng.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.