Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 397 (sequence 13)
- Language
- German
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- Isaiah 2× ep/1005097
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Die Ethik R. Saadjas. 39? nicht im Bewußtsein des Volkes. Man hat im Talmud sogar Sinnsprüche gesammelt, unter denen sich Grundsätze von echtethischen Werte befinden1), der Talmud hat solche ethische Grundprinzipien selbst in der Bibel2) zu finden geglaubt, aber nicht, um darauf ein System der Sittenlehre zu errichten. Da hier nicht wie in Griechenland die Tugend im Wissen bestand und nicht die Wissenschaft der Weg zur Sittlichkeit war3), so kam es sehr wenig darauf an, in welchem Zusammenhänge die Forderungen der Moral zu- und untereinander stehen, auch nicht wie sie sich mit logischer Notwendigkeit aus dem obersten Prinzip ergeben, sondern darauf allein war alle Aufmerksamkeit gerichtet, die bindenden Verpflichtungen der göttlichen Gesetze, in denen sittliche, rechtliche und religiöse Gebote unzertrennlieh und organisch mit einander verbunden waren, zu einer,, die Gesinnung4) jedes Einzelnen heiligenden und das Leben des ganzen Volkes beherrschenden Macht zu gestalten. Eine Ethik in dem philosophischen Sinne der Griechen *) Abot I, 2: »Auf drei Dingen beruht die Welt: auf Wissenschaff, Religion und Menschenliebe«. Das. I, 18: »Durch drei Dinge hat die Welt Bestand: durch Wahrheit, Recht und Frieden«. 2) Makkot 23b: Das mosaische Gesetz enthält 613 Gebote. Diese führte David (Ps. 15) auf elf zurück. Jesaja (23, 16) faßte sie in sechs zusammen; Micha (6, 8) in drei: Er hat dir kund getan, o Mensch, was gut ist, und was der Ewige von dir fordert: Recht zu tun, Liebe zur Milde, und demütigen Wandel mit Gott, deinem Herrn. Dann führte sie Jesaja (56, 1) wieder auf zwei zurück: »Beobachtet das Recht und übt die Tugend«. Endlich faßte sie Habakuk <2, 4) sogar in den Einen Ausspruch zusammen : »Der Gerechte lebt durch seine Treue (2, 4). s) Vgl. Plato, Meno 77b: »Niemand kann das Böse wollen; wer das Gute erkannt habe, müsse es tun«. 4) Vgl. Sanhedrin 106b: דזקב״ה לבא בעי »Gott will das Herz«. Joma 29a: הרהורי עברה קשו מעברה »Die sündhafte Gesinnung, ist schlimmer als die Sünde«. Abot 11, 17: זבל מעשיך יהיו לשם שמים »Alles, was da tust, geschehe In Hinblick auf Gott«; Kidduschin 41; Berachot 6; Nasir 23b.