Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Ethik R. Saadjas
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Ethik R. Saadjas. 389 •weitem• die Werke der Mutakallimun und ist somit das Beste, was uns aus dieser Periode der arabischen Philo״ :sophie erhalten ist; andererseits ist dieses Buch durch die systematische Darstellung und vernunftgemäße Beleuchtung des gesamten Glaubens- und Lehrgehalts des Judentums sowie durch die Aufstellung von Saadja's Nachfolgern allgemein angenommener Interpretationsregeln für den biblisehen Text1) die Grundlage der ganzen jüdischen Reli- Leser geschrieben zu haben. Eine Stelle im Emunot we־Deot II, S. 45, •cd, Siticky, Leipzig 1864 (nach welcher Ausgabe wir auch weiterhin zitieren) אכוון להשיב אל חכמיהם zeigt, daß er gegen Islam und Christentrnm eine rein wissenschaftliche Polemik zu führen beabsichtigte. Und in der Tat, für Israeliten hatte er nicht nötig gehabt, so tief auf Profoleme, die nur für Andersgläubige einen Wert hatten, einzugehen. Wenn er es dennoch tat, so geschah es wohl, weil sein Buch das .*allgemeine, wissenschaftliche Interesse aller Denker, nicht mir der jüdischen, beanspruchte; denn in Bagdad, wo Saadja studierte und sein Werk verfaßte, waren Disputationen und Diskussionen zwischen dte Vertretern der verschiedenen Religionen nichts seltenes. Vgl. Mmk, Melanges, S. 312; v. Kremer, Kulturgeschichte des Orients II, 399 ff. Saadja selbst scheint sich an solchen Disputationen beteiligt m haben, wie eine Stelle seines Werkes III, S. 68 beweist; wo er •de-a Einwand eines Aschariien und seine Antwort darauf berichtet: ...יכבר הדם־ף קצתם על המאסר הזה ואמר . ״. ענ״תיי כי, vgl. zu der angeführten Stelle Schahrästani, übersetzt v. Haarbrücker, I, ICO ff. x) Nur wenn eine Bibelstelle gegen eine durch eine der vier Erkenntnisquellen gewonnene Wahrheit verstößt, ist es gestattet, die Bibelstelle so zu deuten, daß der Widerspruch beseitigt wird. Emunot •w2״Deot V, S. 93; VII, S. 109; vgl. dazu Einleitung S. 10 und II, S. 44, an welchen Stellen er auf die ausführliche Behandlung dieses Punktes in der Einleitung seines Pentateuch-Kommentars hinweist; ■diese Interpretationsregel Saadjas wurde von fast allen späteren Religsonsphilosophen angenommen; vgl. Abraham Ihn Daud in Emuna reina S. 1. Maimonides, More II, 25, 29 ff; Einleitung zu Sanhedrin X. 7. Die 3 resp. 4 Erkenntnisquellen Saadjas: die sinnlische Wahri&efomung, die Vernunft, die Bibel und die Tradition finden sich auch bei den lauteren Brüdern, vgl. Dieterici, Anthropologie der Araber, :S. 20; die Lehre von der Weltseele S. 38 und besonders 99, wo die Überlieferung ebenfalls als Erkenntnisquelle angeführt wird. Die allegorisehe Deutung verwirft Saadja auf das entschiedenste, Emnnot