Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 4 · p. Seite 388

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 4
Article
Die Ethik R. Saadjas
Date
1911-01-01
Page
Seite 388 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829835-2829840-2890832--38839-2890855
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

388 Die Ethik R. Saadjas. den Talmudismus immer mehr mit wissenschaftliche!* Waffen bekämpfte und bedrängte, und andererseits die wieder zur Geltung gelangenden Systeme der griechischen Philosophiex) bei dem damals allgemein herrschenden Mangel an Verständnis für eine geschichtliche Betrachtung weite Kreise mit Verwirrung und Zweifel erfüllten, ln, dieser Zeit der Not erschien Saadja’s Werk Emu not we~ Deot* 2), das nach dem übereinstimmenden Urteil der Späteren3 4) einer das religiöse Bewußtsein seines Volkes rettenden Tat gleichkam. Was Saadja in diesem Werke ge־״ leistet hat, ist zweifach beachtenswert. Zunächst übertrifft es nach dem Urteil StöcklV) an Wahrheitsgehalt bei noch nicht ganz erstorbenen Geist des sadduzäiseben Prinzips, so daß Anan b. David 750 in Bagdad die Sekte der B11e Mikra oder Karäer gründen konnte. נ) Saadjas Werke bilden eine wertvolle Quelle für die geschiehtliehe Kenntnis vom Übergang der arab. Philosophie aus dem engen Rahmen der Mutazila zu dem, durch syrische und arab. Übersetzungen des Plato, Aristoteles, der aristotelischen Kommentatoren und des Galen angebahnten, arabischen Arisioteiismus, vgl. Guttmann, Die Religionsphilosophie des Saadja, S. 16; Überweg-Heinze, Grundriß ff9 6. Auf!., S. 185 ff. Saadja kennt die griechische Philosophie beinahe in ihrem ganzen Umfange, selbst die Systeme der alten ionischen Naturphilosophen. 2) Arab.: Kitäb al Amänät w’al Ptiqädät von Said b. Jüsuf, wie ihn die Araber nannten. Es behandelt in 10 Abschnitten: 1. Die Kosmologie, 2.. die Einheit Gottes, 3. die Gesetze der Offenbarung, 4. die Willensfreiheit, 5. Verdienst und Strafe und die Theodicee, 6. die Anthropologie, 7.—9. die Eschatologie und 10. die Ethik. 8) Selbst Maimonides, der oft gegen ihn polemisiert und ihaa. *in den Irrlehren des Kaläm befangen« nennt, erkennt in dieser Be- Ziehung willig Saadjas große Bedeutung an; vgl. Brief nach Jemeav ed. Holub, S. 39. In gleicher Weise urteilte später über ihn R. Meir b. Todros ka-Lewi in Kitäb al-rasa.il (cd. Brill), S. 57a: בים ובור אותו האיש לטוב ורבינו סעדיה הגאון ז״ל שמו שאלמלא הוא■ נשתבחה תורה מישראל, »wäre Saadja nicht gewesen, so wäre die Tora in Israel in Vergessenheit geraten«. 4) Geschichte der Philosophie des Mittelalters, Band II, Mainz 1865, S, 264. Saadja scheint sein Werk übrigens nicht nur für jüdische.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.