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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 3 · p. Seite 361

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1911-01-01
Page
Seite 361 (sequence 4)
Language
German
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Besprechungen. m herzogtum Hessen noch nicht so weit vorgeschritten, wie in Preußen, wo im Jahrs 1905 bereits 64,96 Prozent aller Juden in Städten mit mehr als 500 jüdischen Einwohner lebten gegen 41,46 in Hessen« In unserem großen deutschen Vaterland stehen wir bald vor der Tatsache der Entvölkerung des platten Landes von Juden und die Zeit ist nicht mehr fern, wo der Zuzug der jüdischen Bevölkerung aus den kleinen Städten und Dörfern in die Großstadt aus natürlichen Gründen und Mangel an Nachwuchs unterbunden sein wird. Die Quellen des Jungbrunnens für das Judentum versiegen dann, wodurch dem Judentum in Deutschland ein unheilbarer Schaden erwachsen wird. Hiezu kommt noch, daß die jüdische Einwanderung aus dem Ausland nach Preußen und den andern deutschen Staaten durch gesetzliche Maßnahmen mehr oder weniger verhindert wird. So sympathisch auch immer die Kolonisationsbestrebungen, ausländische Juden jenseits des Meeres in Asien und anderswo ansässig zu machen, erscheinen mögen, in Deutschland gibt es für die charitativen Vereine hin genügend zu tun, deutsche Juden in unserem Vaterlande zu kolonisieren, und nicht bloß die Vereine, sondern die Riesengemeinden mit ihren großen Mitteln müssen dafür eintreten, um Wandei zu schaffen und zu erhalten suchen, was noch zu retten ist Will man aber die Schäden der Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in ihrer ganzen Vollständigkeit aufdecken, dann bedarf es eines klaren Bildes, das nur eine allgemeine Statistik über die deutschen Juden geben kann. Die staatlichen statistisehen Ämter, darin stimmen wir den Ausführungen des Vorwortes zu der *Statistik der Juden im Großherzogtum Hessen« voll und ganz bei, können bei ihren andersartigen Zielen naturgemäß die Verhältnisse einer konfessionellen Minderheit nicht so eingehend berücksichtigen, als es vom Standpunkte desjenigen, der sich für die besonderen Verhältnisse dieser Minderheit interessiert, wünschenswert erscheint. Aber private Erhebungen, mögen sie durch die Logen oder durch die Gemeinden selbst ihre finanziellen Unterstützungen erfahren und von einem in mancherlei Beziehung verdienstvollen Vereine, wie dem Vereine für jüdische Statistik, ausgehen, genügen nicht für diesen Zweck; die Großgemeinden, vor allem der Vorstand der jüdischen Gemeinde von Großberlin mit einer Seelenzahl von fast 150.000 muß ein statistisches Bureau schaffen, das in der Lage ist, ständig, nicht bloß temporär, die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des deutschen Judentums beleuchten zu können. In den Vorständen der jüdischen Großgemeinde sitzen Männer der Praxis und Wissenschaft, die den Wert der Statistik sonst nicht zu unterschätzen pflegen. Daß aber trotzdem die Organisation zwecks einer umfassenden Statistik über die deutschen Juden noch so sehr in den Anfangsstadien steckt,

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