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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 3 · p. Seite 360

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1911-01-01
Page
Seite 360 (sequence 3)
Language
German
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360 Besprechungen. Juden aus der Provinz Posen und die Mittel für Ihre Beseitigung sind keine zwingenden und werden ihre Verteidiger oder Gegner, je nach dem politischen Standpunkt, den man einnimmt, finden, wenn auch gesagt werden muß, daß ein jüngst erschienener Aufsatz von Wassermann in einer politischen Revue fast zu denselben Folgerungen kommt, wie unsere Denkschrift. Das Großherzogtum Hessen hat auch eine starke Abwanderung der Juden nach den Großstädten und Industriezentren aufzuweisen, die aber nicht den Umfang derjenigen aus der Provinz Posen erreichte. Nach den statistischen Angaben des vom Bureau für Statistik der Juden herausgegebenen Bücher *Die Juden im Großherzogtum Hessen« belief sich die Zahl der Juden im Jahre 1822 auf 19530, stieg dann bis zum Jahre 1849 auf das Maximum von 28000, um bis zum Jahre 1905 auf rund 25000 herabzugehen. Vom Jahre 1822 bis 1905 innerhalb eines 83 jährigen Zeitraumes lassen sich drei Perioden unterscheiden; in der ersten bis zum Jahre 1849 reichenden vermehren sich die Juden erheblich stärker als die sonstige Bevölkerung, dann folgt ein Zeitraum von 12 Jahren, in dem das Wachstum der Juden gleichen Schritt mit der übrigen Einwohnerschaft hält, während in der dritten mit dem Jahre 1861 beginnenden Periode die Zahl der Juden absolut und relativ abnimmt. Die Verschiebung, die eingetreten ist, wird klar am besten durch folgende Prozentzahlen: Während die sonstigen Religionsgemeinschaften des Großherzogtums von 1849 bis auf 1905, sich um 50 Prozent vermehrten, haben die Juden sich um' 12 Prozent vermindert. Der Hauptgrund für den Rückgang der jüdischen Einwohnerschaft in Hessen ist in der Abwanderung, wie in Posen, zu finden, der eine gleich starke Zuwanderung nicht gegenübersieht. Der Gesamtverlust der Juden durch Wanderung beläuft sich vom Jahre 1867 bis 1905 auf 9278 Personen. In der Hauptsache haben die Ab wandernden sich nach anderen deutschen Bundesstaaten, insbesondere nach Preußen und hier wiederum nach dem nahen Handelszentrum Frankfurt am Main, sodann aber auch nach Berlin und dem rheinischen Iadustriegebiet gewendet. Infolge der Binnen- Wanderung ist aber auf dem platten Lande eine vollständige Entvölkerung von Juden eingetretea. Die Zahl der Orte mit weniger als 10 Juden ist von 67 auf 102 gestiegen, die Zahl der Orte mit 30 und mehr Juden von 309 auf 176 gesunken. Die moderne Entwicklung und die Konzentration haben es zuwege gebracht, daß im Laufe des 19. Jahrhunderts die Klein- und Mittelgemeiaden an Boden verloren, während die Zahl der Großgemeinden von 4 auf 7 gestiegen ist und die jüdische Bevölkerung in ihnen von 3797 auf 10328 zugenommen hat. Trotzdem sind die abnormen Verhältnisse im Groß-

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