Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 359 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 359 wegen der geringen Bodenständigkeit einen Vorwurf zu machen hieße ihn auch gegen sehr erhebliche Teile der deutschen Bevölkerung nicht jüdischen Glaubens erheben, was aber nicht einmal von :dein;, größten Parteifanatiker: geschieht. Unter den Zeitläuften haben natürlieh am meisten gelitten die östlichen Grenzprovinzen unseres Vater- Iandes, die ohne Hinterland und meist ohne Industrie in der Ent- Wicklung nicht gleichen Schritt mit den bevorzugteren Teilen Deutschlähds hielten. Bei der Provinz Posen kommt noch zu, daß ihm ein eigentliches Handelsemporlum fehlt und die Nationalitätsstreitigkeiten dort einen Charakter annahmeti, der zum Teil den Handel unterband; Alle diese Ursachen führten zu der Abwanderung der Juden aus der Provinz Posen^ die zum großen Teil dem Handel ergeben wären? Die Tabelle, die in der Denkschrift über die Abwanderung der Juden; aus der Provinz Posen enthalten ist, zeigt, in welchem Umfange sich die jüdische Bevölkerung der Provinz Posen in fast allen Städten seit den 60. Jahren des vorigen Jahrhunderts bis zur Gegenwart vet־- riögert hat. Gemeinden mit stattlicher jüdischer Bevöikerungszahl, wie z; B. SChwersenz, Rogasen, Grätz, Rawitsch und andere sind zu Zwerggemeinden heräbgesunken, und fast hat es den Anschein, als ob noch immer nicht der Tiefstand erreicht ist und die Entvölkerung der Provinz Posen von Juden ihren Fortgang nimmt. Die traurigen jüdischen Gemeindeverhältnisse der Provinz springen noch mehr ins; Auge, wenn man sich die Tabelle B der Denkschrift ansieht, in der ans der Gesämteinwolm erzähl der Prozentsatz der jüdischen Einwohn er in den Jahren 1849* 1885 und 1905 berechnet ist. Fast alle Städte, die Landstädte und die größeren und großen Städte, besonders aber die Stadt Posen, haben seit 1849 an Einwohnerschaft zagendfnmen oder sich auf der alten Höhe gehalten, der Prozentsatz der jüdischen Einwohnerschaft ist aber enorm gefallen; selbst die Stadt Posen, in der die Juden 1849 ein Fünftel der Bevölkerung bilden, weist im Jahre 1895 nur 10 Prozent Juden auf, ein Satz, der im Jahre 1905, wenn auch unter Einfluß der Eingemeindungen, auf; 5; Prozent herühtergegangen ist. Der Prozentsatz der Abwanderung erhöht sich noch, wenn der Überschuß der Geburten über die Todes* fälle mit berücksichtigt wird. Einen Anhalt über das Ziel der Ab* Wanderung der Juden gibt die Denkschrift nur andeutungsweise;; ihrem Verfasser dürfte das statistische Material gefehlt haben und gerade dieses würde es ermöglichen, die Gründe, die die Denkschrift; über die Abwanderung der Judeti aus der Provinz an gibt, nachzu* prüfen/ So dankbar man dem Verfasser für die Aufrollting des Historischen Bildes über die Entwicklung der jüdischen Einwohnerschaft inf'düt Provinz sein kanhj seine Gründe für die Abwanderung'der