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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 3 · p. Seite 312

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 3
Article
Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
Date
1911-01-01
Page
Seite 312 (sequence 17)
Language
German
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312 Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus Dienst des Ausbaues der Traditionslehre zu steilen. Darin lebten und webten sie weitabgewandt und keine Fühlung suchend mit dem das Gesetz nur lax beobachtenden »Landvolke«. Und die urchristliche Bewegung war eine eminent landvolkliche, die der Einflußnahme der pharisäischen Gesetzeslehrer völlig entrückt war. Sahen sich die letzteren überhaupt zum Kampfe genötigt, so waren die Herausforderer sicherlich Sektierer aus ihrer eigenen Mitte, s ehriftkundige Minder, die, wie R. Tarphon in tiefster Erbitterung ihnen nachsagt, »erkennen und dennoch leugnen«, Minäer von Bedeutung eines »Acher«, die das Gesetz verwarfen, zwei Gottheiten annahmen, die leibliche Auferstehung leugneten, »die Fackel der Zwietracht zwischen Israel und seinen himmlischen Vater schleudern«1). Die religiösen Bewegungen im *Landvolke« aber, in den Kreisen der »verlassenen Schafe aus dem Hause Israel«, lagen ihnen ferne und waren umsoweniger geeignet sie zu erhitzen, als sie ja weder Gott und sein Gesetz noch die pharisäische Auferstehungslehre antasteten. Nach solchen Proben tendenziöser Umarbeitung von Überlieferungen aus urchristlicher Zeit, soweit sie sich auf das Verhältnis des Judentums zu Jesus und seiner Gemeinde bezogen, wird wohl die Frage gestattet sein: ob es anzunehmen sei, daß dieselben gesetzeseifrigen Juden, welche die Hinrichtung des Täufers so tief beklagten, in der Steinigung des Jacobus ein nach Sühne schreiendes Verbrechen sahen; daß Häupter der pharisäischen Gesetzeslehrer, wie Gamaliel, welche gegen die Apostel Jesu Toleranz geübt wissen wollten, gegen Jesus selbst, der sich niemals den Sohn Gottes nannte, sich niemals öffentlich für den Messias erklärte, der überdies das Gesetz verherrlichte und es als unvergänglich pries; soviel Ingrimm gehegt und mit wilden Geberden seine Kreuzigung erzwungen haben sollten? Ich 1j Sabbath 116 a u. Par.

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