Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Der Selbstmord nach der Halacha
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 6)
- Language
- German
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- Rashi 2× ep/1002670
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292 Der Selbstmord nach der Halacha, 5) Die Kreaturen der Urwelt, heißt es1), sind alle in völlig ausgereifter Höhe, und לדעתן' ולצביונן' erschaffen worden2). Zu לדעתן erklärt nun Raschi, daß die Geschöpfe zuerst von Gott befragt wurden, ob sie auch wirklich erschaffen sein wollten und nur, nafchde1n sie die Frage ausdrücklich bejaht hatten, wurden sie in? Dasein gerufen. Obschon es zur Eigenart Raschis gehört, d?s RJatgrial zu seinen Erklärungen aus weitab liegenden Gebieten herbeizuschaffen, in seinem Kommentare zu verarbeiten, ohne immer die Quelle zu nennen, aus welchen er seine Daten schöpfte,3), so dürfte sich doch in diesem Falle im rabb. Schrifttum kaum eine Stelle finden, welcher Raschi diese befremdliche Nachricht, daß die noch unerschaffenen Wesen ihre Bereitwilligkeit in die Erscheinung zu treten, schon im Voraus förmlich ankündigen mußten, entnommen. Diese Deutung hat Raschi offenbar aus dem Wörtsinne des Ausdruckes לדעתן abgeleitet. Ihm bedeutet der Terminus nicht etwa auch die stumme, latente Bereitwilligkeit, sondern «die vernehmbar und ausdrücklich kundgegebene Bejahung des Willens zur selbstausgeführten oder auf eigene Veranlassung durch Andere vollzogene Handlung. 6) Nur ein einzigesmal4) wird im Verlaufe der Talmudischen Diskussion dem לדעת die Bedeutung einer stillschweigenden Einwilligung aufgezwungen, um den Wider- Spruch zwischen zwei halachischen Normen auszugleichen. *) R. H. 17 a. *) לצביונם ist wohl nicht eine andere Eigenschaft außer לדעתן, sondern blos die aramäische Umschreibung des לדעתן, um die agadische Deutung an צבאם »ihr Wollen« anlehnen zu können. Eine ähnliche Erklärung der hebr. Wurzel צבא Schemot r. 25, 2, Ber. r. 10, 5 und Pseudöraschi das. Tanch. צביון .8 ראד, .17 משפטים bedeutet nirgends Schönheit, Pracht; sondern ausschließlich Willen, Wohlwollen. Vgl. R. H. Tos. Schw. Anuch צב iwd J.' Le^y' Chald. Wb. 166. II, 312. 3) Beth Talmud II, 134. 4) Erubin 82b. Vgl. נודר על דעת אהרים Arachim 23a u. Raschi das. שאמרו לו נדור.