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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 3 · p. Seite 273

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und das Wirtschaftsleben
Date
1911-01-01
Page
Seite 273 (sequence 17)
Language
German
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Die Jaden und das Wirtschaftsleben. 273 würden. Sombart geht es, wie es heute noch vielen Nichtjuden geht. Die wenigen reichen Juden haben ihn fasziniert, aber die 800,000 Juden in Galizien, vielleicht der 15-te Teil aller Juden, unter denen es nur wenige Bemittelte gibt, sind keine Neuheit in der jüdischen Geschichte, wie denn auch die schon erwähnten sizilianischen Stände an den König schreiben: »Endlieh dürfte nicht übersehen werden, daß einzelne Juden zwar reich, andere bemittelt, die übrigen aber so arm seien, daß, wenn nicht der Termin des Abzuges aufgeschoben würde, sie vor Hunger sterben müßten. Dies würde eine üble Meinung von der Regierung erwecken« (meine Geschichte II, 290). Es ist also nichts mit der »Tatsache des jüdischen Reichtums« und nicht, wie Sombart (S. 380) sagt, »der Faden«, sondern die Fabel von dem jüdischen Reichtum zieht sich »von Salomo (warum nicht von Moses, der von den Splittern der Bundestafeln nach dem Midrasch reich geworden sein soll) bis Bieichröder und Barnato durch die Geschichte, ohne an einer Stelle abzureißen«. Kennt Sombart nicht die Anekdote von den Russen, die, wenn sie keinen Schnaps haben, sagen: »Sprechen wir wenigstens davon!«? So mag es den Juden mit dem Reichtum gegangen sein und noch gehen. Die »tote Hand« schweigt natürlich vom Reichtum, weil sie ihn besitzt, aber »verflucht«. Ich kann die Gastfreundschaft dieser Monatsschrift nicht länger in Anspruch nehmen, sonst hätte ich noch viel über und gegen die Art und Weise zu sagen, wie Sombart eine »jüdische Eigenart« statuiert und auf jüdisehen Sprichwörtern baut. Ich fasse daher mein Urteil über das Buch Sombarts kurz dahin zusammen, daß ich den ersten Teil ein Standard work nenne, der zweite aber — Sombart wird die Wahl meiner Worte verstehen — zeugt zwar von großem Scharfsinn, von großer Zweckbedachtheit und Zielstrebigkeit, aber ein »Tachlis« sehe ich nicht. (Siehe die folgende Anmerkung.) Monatsschrift, 55. Jahrgang. 18

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