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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 3 · p. Seite 272

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und das Wirtschaftsleben
Date
1911-01-01
Page
Seite 272 (sequence 16)
Language
German
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272 Die Juden und das Wirtschaftsleben. Rechten); in ihrer Linken Reichtum und Ehre«. Das kann doch nur bedeuten: Die Weisheit ist, wofür sonst langes Leben, Reichtum und Ehre gehalten wird, nämlich das höchste Gut. Das heißt doch nicht den Reichtum, sondern die Weisheit verherrlichen, sowie einer der sagt: »Meine Frau ist mein Reichtum« nicht diesen sondern jene preist. Ebenso »der Weisen Krone ist ihr Reichtum« (das. 14, 24) d. h. die Weisen trachten nicht nach Reichtum, da sie mit der erhabensten Krone, der Weisheit, geschmückt sind. Der Vers 10, 15 (das.) ist nicht zu übersetzen : »Des Reichen Habe ist ihm eine feste Stadt« — obwohl auch damit nur gesagt würde, wie es im Leben ist, nicht wie es sein soll — sondern: »des Reichen Habe ist die Festung seiner Frechheit,« und variiert mit dem Nachsatz den 18, 23 ausgesprochenen Gedanken: »Der Arme spricht flehentlich, der Reiche aber gibt freche Antwort« Ist das auch eine Verherrlichung des Reichtums? Man beachte dagegen die durch die ganze Tora hindurchgehende Aufforderung zur Berücksichtigung des Armen, des Fremdlings, der Waise (von der Waisenpflege steht im Neuen Testament auch nicht ein Sterbenswörtchen vgl. den Artikel »Waisenhäuser« in Rein’s Encyklop. Handbuch der Pädagogik: »Der Christen Fürsorge für Waisen knüpfte an das mosaische Gesetz an«). Ebenso verlangen Mischna und Talmud, daß des Menschen Hausgenossen die Armen sein sollen und in Uscha mußte verboten werden, nicht mehr als den fünften Teil des Vermögens zu verschenken. Auch mit Sombarts bemerkter »Geldleihe« steht es nicht besser wie mit der von ihm beobachteten Verherrlichung des Reichtums. Verheißungen wie die von ihm angeführten (worin er auch die Verherrlichung des Reichtums wittert): »Du wirst leihen vielen Völkern und von ihnen nichts entlehnen, du wirst borgen vielen Völkern und ihnen nichts abborgen« können nur Arme ins Auge fassen, da Reichen gegenüber die hier durchschossenen Nachsätze sich lächerlich ausnehmen

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