Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und das Wirtschaftsleben
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden und das Wirtschaftsleben. 267 war nicht, wie man früher irrtümlich annahm, eine Bedrückungsmaßregel, ein Pferch, um die Juden zusammenzuhalten, ihnen Luft und Licht zu entziehen, sondern man kam damit ihrer > Abschließung« entgegen, die Juden wollten es so, das Ghetto war eine »Konzession, ein Privilegium, nicht etwa eine Feindseligkeit« (S. 282.) Nach dieser Theorie ist es nicht mehr als billig, Rußland und Rumänien mit Rekriminationen wegen der Ausweisungen zu verschonen, man muß ihnen vielmehr Abbitte leisten, da sie mit dieser Maßregel nur dem »ursprünglich den Hebräern im Blute steckenden Nomadismus und Saharismus« (S. 408) entgegenkommen. Durch den angeborenen Nomadismus erklärt sich auch die Tatsache, daß die Juden vorzugsweise Städtebewohner sind. Sie sind es nicht, wie man bisher annahm, deswegen, weil die Städte ihnen mehr Gelegenheit geben zu einer erweiterten Bildung ihrer Kinder, zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse, zur Lebenserhaltung — sondern »die Großstadt ist die unmittelbare Fortsetzung der Wüste — sie steht der dampfenden Scholle ebenso fern wie diese und zwingt ihren Bewohnern ein nomadisierendes Leben auf wie diese« (S. 416). Rätselhaft bleibt hiernach nur, wie die Juden in Ungarn sich so sehr um die Amelioriation des Bodens haben verdient machen können, was wenigstens Hunfalyy in seiner Ethnologie von Ungarn — ich habe das Buch nicht zur Hand, kann also die Seitenzahl der deutschen Übersetzung nicht angeben — rühmend hervorhebt. Und da ich gerade beim Rätselhaften bin, so nehme ich Gelegenheit, auch die mittelalterlichen Judenabzeichen, die doch wohl Erkennungszeichen sein sollten, unter diese Rubrik zu verweisen, da ich nun von Sombart (S. 348) erfahre, »daß schon ein mittelmäßiger Beobachter mit ziemlieber Sicherheit« die jüdische Abstammung, oder die »jüdische Physiognomie« feststellen kann. Wozu dienten also die Judenabzeichen? Oder sollte es im Mittelalter so wenig selbst mittelmäßige Beobachter gegeben haben! Ich ertappe