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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 3 · p. Seite 265

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und das Wirtschaftsleben
Date
1911-01-01
Page
Seite 265 (sequence 9)
Language
German
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Die Jaden and das Wirtschaftsleben. 265 Hier muß ich nun bekennen, daß ich Sombart auf diesem Wege nicht zu folgen vermag. Es wäre ja sehr schön, wenn man eine Art Laplace’scher Formel finden könnte, mit der man in Stand gesetzt würde, die Volks- Individualitäten zu erschließen, mit der man den Beweis zu führen vermöchte, daß sie so, wie sie sind, sein müssen. Dann wäre die Geschichtschreibung Mathematik und man könnte eine geschichtliche Untersuchung mit dem Satz abschließen: Quod erat demonstrandum. Aber soweit sind wir noch nicht und werden voraussichtlich auch nie so weit kommen, es wird immer ein Ignorabimus übrig bleiben, auch wenn man, wie Sombart, mit dem ungestümsten Forschungseifer, oder besser Übereifer, alle Dunkelheiten durchdringen zu können vermeint. Sombart nennt sein Buch ein einseitiges Buch (S. X). Von dieser Einseitigkeit hat er sich so einnehmen lassen, daß seine Augen nur auf diese sich eingestellt haben. Zuerst sagt er: »Ohne Juden kein moderner Kapitalismus«. (Das.) Im Laufe seiner Beweisführung erschöpft sich aber das Judentum, oder wie Sombart sagt, der Judaismus im Kapitalismus, der >homo Juäaeus« (richtig judaicus, da Judaeus keine Adjektivform ist) und der homo capitalisticus gehören derselben Spezies an (S. 281), das ist doch was ganz andres als was zuerst behauptet war. Nun sehen wir uns aber einmal die italienisehen Juden des Mittelalters an! In Süditalien ist die Färberei fast ganz in den Händen der Juden, die Tincta oder Tintoria ist auch ohne Beisatz das selbstverständliche jüdische Steuerobjekt (meine Geschichte 11 312), in Sizilien aber bittet der hohe königliche Rat 1492 in einer Immediat- Vorstellung Ferdinand den Katholischen um den Aufschub der Judenvertreibung mit Rücksicht auf die Tatsache, »daß in diesem Reiche fast alle Handwerker Juden sind. Wenn diese alle auf einmal abziehen, so wird für die Christen ein Mangel an Arbeitern sich herausstellen, die geeignet sind, den Bedarf von me-

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