Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und das Wirtschaftsleben
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 7)
- Language
- German
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263 Die Juden und das Wirtschattsieben. tätigkeit, deren vielseitige Äußerungen Sombart unter der Bezeichnung der Kommerzialisierung des Wirtschaftslebens zusammenfaßt. Dies alles wird in den ersten sechs Kapiteln sehr übersichtlich und mit erschöpfender Gründlichkeit in zusammenhängender Darstellung nachgewiesen. Sombart darf behaupten (S. VII), daß er zum ersten Male ein Bild von der wirtschaftlichen Tätigkeit der Juden während der letzten drei Jahrhunderte, wie er sagt, skizziert habe. Den* noch bedurfte es meines Erachtens keiner »Offenbarung« (S. VI), um diese Arbeit zu tun, noch war das »Erstaunen« (S. 15) darüber gerechtfertigt, daß man noch nicht die historische Tatsache erkannt hat, die Sombart folgendermaßen bezeichnet: »Wie die Sonne geht Israel über Europa: wo es hinkommt, sprießt neues Leben empor, von wo es wegzieht, da modert alles, was bisher geblüht hatte.« (Das.) Die Tatsache war mehr oder weniger bekannt, man hat nur früher die Juden so ,.gering geschätzt, um nicht zu sagen, verachtet, daß man ihr keine Aufmerksamkeit schenkte oder sie sich nicht eingestand. Dazu kam die Gering- Schätzung des Handels. Wie der Jude der »Schacherjude« war, so waren die Engländer das Krämervolk. Das ist nun allgemach anders geworden, seitdem es Handelsminister und Handelsämter gibt, seitdem die Staaten miteinander Handelsverträge abschließen, Zollkriege gegen einander führen und auf die Meistbegünstigung erpicht sind, seitdem die Bauern sich zu Molkereiverbänden zusammentun, um ihre Milch teuerer an den Mann zu bringen, seitdem Barone, Grafen, Fürsten Milch, Bier und Kohlen verkaufen, und als VerwaUungsräte der Großbanken figurieren. »Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles!« Dieses Wort Gretchens vermisse ich in dem reichen Zitatensch atz Sombarts. Was für einen Sinn hätte es aber bei den geschilderten Zuständen noch, von dem Schacherjuden und dem englischen Krämervolke zu reden. Es ist in der Tat merkwürdig still davon geworden. Da ist es nun ein großes