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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1911-01-01 · Heft 3 · p. Seite 262

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
55 (1911)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und das Wirtschaftsleben
Date
1911-01-01
Page
Seite 262 (sequence 6)
Language
German
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262 Die.Juden und das Wirtschaftsleben. der christlichen Theologie vom Judentum widerlegen; könnte. Es: sei erlaubt, dagegen zu bemerken^ daß die einander , bestreitenden Schulen Hillels. und Schamnj.ai’s gleicherweise dahin bewertet: wurden, daß, beide die Worte des lebendigen Gottes lehren. Das heißt mit anderen Worten; der Geist des Talmud ist trotz der kontroversen; Meinungen ein er, nämlich der Geist der schriftlichen Lehre, den man nicht aus jeder ber liebigen Stelle abziehen kann, denn nicht alles,-was im Talmud steht, ist derTalmud; Das liegt in der Konzeption. Übrigens ist es: weder der Talmud? noch sind es die anderen Religionsbücher, aus denen man die Juden kennen lernt, so: wenig wie die modernen Gesetzsammlungen genügen, um uns über die Völker der Gegenwart aufzuklären• Die eigentliche Erkenntnisquelle ist das Leben, und, da bedaure ich, daß Sombart meine Bücher über die Geschichte der Erziehung und der Kultur der abendländischen; Juden unbekannt geblieben sind, die abgesehen davon, daß sie nach Georg Caro, Sozial- und Wirtschaftsgeseh. der Juden;!, 459, »auch für wirtschaftsgeschichtliche Zwecke mit Erfolg zu benützen sind«, die Juden nicht abgesondert für sjch, sondern in ihren mannigfachen Wechselbeziehungen zu ihrer Umgebung schildern. Doch es ist Zeit, die Leser mit dem Buche selbst, bekannt zu machen und seine Ergebnisse zu prüfen. Das Buch zerfällt in zwei Teile, wovon ich den ersteren als den deskriptiven; den anderen, weit umfangreicheren, als den aetiologischen bezeichnen möchte. In dem ersteren zeigt Sombart, daß es die aus Spanien und Portugal vertriebenen Juden waren, die in ihren neuen Ansiedlungen in den nördlichen Ländern des Erdballs seit dem 16. Jahrhundert den Grund zu dem Aufbau; der kapitalistischen Wirt- Schaft legten. Sie beleben den internationalen Warenhandel, sind stark beteiligt an der Begründung der Kolonialwirtschaff, ja sogar an der Begründung des modernen Staates und haben den wesentlichsten Anteil an der Heranbildung der gegenwärtigen Gestaltung der kaufmännischen Eirwerbs-

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